Grosse Erzählung „Der Storchenzug“ („fächerübergreifender Unterricht“)

Ein Beitrag von Birgit:

Maria Montessori legte sehr großen Wert auf ganzheitliches, vernetztes Lernen! Auf das, was Bildung von bruchstückhaftem Wissen unterscheidet. Im Unterschied zu kleinen Detailhappen, die zusammenhangslos in der Luft hängen, säumen in Maria Montessori’s Erzählungen kleine, spannende Details aus Kultur und Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften beiläufig weil selbstverständlich den Weg der Hauptthemas. In unserem Fall war das Hauptthema: Der Storchenzug, also wohin die Störche im Winter ziehen, wenn es hier zu kalt wird. Der Hauptdarsteller ist Storch Arthur, der jedes Jahr wieder im Spätsommer seine Reise gen Süden antreten muss, weil seine Nahrungsquellen temperaturbedingt  versiegen. Frösche und Schlangen ziehen sich im Winter zurück, erstarren und sind für ihn unauffindbar. Also zieht er los. Und er zieht weit. Sehr weit! Woher kennt er seinen Weg so genau? Wir wissen es nicht, wir können nur hochachtungsvoll staunen!

Auf einer großen Weltkarte, die wir auf LKW-Plane gepaust haben, sehen die Kinder, dass Arthur in Deutschland startet. Er fliegt mit einem Chip am Fuß los! Der wurde ihm eingepflanzt, ist miniklein, stört ihn weder beim Gehen noch beim Fliegen und zeigt uns jederzeit, wo Arthur unterwegs ist.Der Störche-Forscher KAI des Naturbundes (NABU)beobachtet von Tag zu Tag, wohin Arthur fliegt. Störche erkennen wir am langen Hals, den langen Beinen und dem großen, roten, oft langgestreckten Schnabel. Wie groß ist Arthur eigentlich und welche Spannweite haben seine Flügel, wollen die Kinder wissen? 1m hoch ist er, seine Flügelspannweite ist 2m weit!!!

 

Das sehen wir uns mit dem Maßband genauer an! Störche werden ca. 30 Jahre alt, viel älter als Hunde oder Katzen, aber nicht so alt wie Menschen.Die Route des Storches Arthur wird auf der Weltkarte nachgelegt. Am 23.August geht’s in Siebenbürgen los. Arthurüberquert fliegend die Karpaten, zieht nach Bulgarien, entlang der Küste geht’s am Schwarzen Meer entlang. Er zieht ohne Pausen nach Afrika und überquert nach 9 Tagen des Reisens Syrien. Tag 10 seiner Reise ist ein Rasttag, südlich des Golan auf der Seite Jordaniens. Er frisst sich nochmal richtig satt, denn jetzt kommen die Etappen über die Wüste. Wüsten sind die größten Sandkisten der Erde. Der Sand kam durch Verwitterung, Abtragung und Ablagerung dorthin. Jedes Sandkorn war früher Teil von riesigem Gestein, das z.B. durch die Verschiebung der Erdkruste zermahlen wurde. Je runder die Sandkörner, desto mehr und öfter wurden sie bereits abgeschliffen. Durch Reibung, Wind, Wasser. In der Wüstegibt es nichts für Arthur zu essen. Wüste heißt „wo nichts wächst“. Es gibt nicht nur Sandwüsten, sondern auch Salz-, Lehm- und Eiswüsten. Aber das ist eine andere Geschichte. 3 Tage später wurde Arthur nun bereits in Ägypten gesichtet, 50 Kilometer vom Nil entfernt. (Linz und Steyr sind knapp 50km auseinander). Kinder, was ist Ägypten und was ist der Nil? Die Tiere des Nil können wir auf Bildern bestaunen: Nilpferde, welch ein Zufall! Aber auch Krokodile und Schlangen leben hier zahlreich. Und wer hat schon mal Bilder von Pyramiden gesehen? Haben wir eine Idee, wie die damals gebaut werden konnten, ganz ohne Bagger, Kran und Ziegelsteine? Dann waren da noch die Pharaonen, die uneingeschränkten Herrscher des Landes, man spricht auch von menschgewordenen Göttern. Und 180 km später hat Arthur es geschafft! Die Wüste ist überquert, der Assuan-Stausee erreicht. Und dann noch die Nubische Wüste, auch sie ist weit und nahrungslos. Es folgt der Tschad, wieder karg, 4 Tage konsequentes fliegen in Richtung Winterquartier. Nach knapp 20 Tagen täglichen Fliegens ist Arthur nun im Norden des Tschadsees angekommen. Er kann hier bleiben oder sich entschließen noch weiterzufliegen. Was wird er tun? Jedenfalls sind hier ausreichend Insekten und Reptilien wie Frösche und Schlangen, von denen er sich ernähren wird können. Einige seiner Freunde sind dann noch weitergeflogen. Arthur ist am Tschadsee geblieben und verbringt hier einen warmen Sommer, während wir in Österreich die winterliche Advent- und  Weihnachtszeit genießen! Arthur, sollen wir dir mal erzählen, was Schnee ist und was man damit alles machen kann?
Das vorgestellte Projekt hilft, Störche besser zu schützen, indem Gefahrenzonen und schützenswerte Rastplätze identifiziert werden können. Die ForscherInnen können herausfinden, warum Störche in manchen Jahren viel später zurückkehren, wodurch sie dann bei uns nicht mehr genügend Zeit zum erfolgreichen Brüten haben… Weil: Alles hängt immer mit allem zusammen…

Jedes Kind schnappt bei einer großen Erzählung andere Details auf, die es nicht mehr vergessen wird.
Die „Große Erzählung“ signalisiert, dass es ganz viel zu wissen gibt. Dass unser Leben mit ganz viel Geschichte und Gewordenheit zu tun hat. Und eben: dass alles mit allem verbunden ist.

 

Der Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Eltern …

Ein Beitrag von Madgalena:

Der Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Kinder ist klar … in diesem Beitrag geht es um den Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Eltern …

… fast immer zufriedene Kinder (zeitweise Unzufriedenheit – was ganz normal ist – darf sein und hat Raum)

bunte Pädagogik erleichtert die Kombination Kindergarten & Familie – schließlich hat jede Familie ihre individuellen Ansätze

… Offenheit für diese bunte Pädagogik führt zu mehr Verständnis für Kinder im Alltag und erleichtert somit den Umgang mit den Kindern

… Eltern erfahren über Entwicklungsgespräche, Elternabende und aktuelle Newsletter Wertvolles über ihre Kinder und deren Entwicklung

… Eltern erleben eine professionelle pädagogische Leitung des KinderWaldes

… das Wissen, dass den Kindern durch das Sein in der Natur eine optimale Umgebung zur Entwicklung geboten wird (siehe auch Literatur von Hüther & Renz-Polster u.a. – z.B. hier vorgestellt : https://oe1.orf.at/artikel/362994)

… im Rahmen des Bringen & Abholens tanken auch Eltern Kraft in der Natur (es lohnt sich, manchmal früher zu kommen und in die Umgebung einzutauchen :)) und erleben untereinander Austausch

… gemeinsames Feiern und Schaffen: gemeinsame besondere Feste werden gefeiert; wertvolle Freundschaften werden gebildet; Eltern gestalten in verschiedenen Arbeitsgruppen den Kinderwald mit und tragen so zur Lebendigkeit des Vereines bei

… das zeitliche Dilemma zwischen Alltagserledigungen und Naturerfahrungen („ich sollte wieder einmal in den Wald gehen…“) mit den Kindern fällt weg – die Kinder erfahren & erleben durch den KinderWald in Bezug auf Naturerlebnisse potentiell mehr als wir Eltern es ihnen bieten können

… durch den natürlichen Wechsel an Kindern und Pädagogen lernen Kinder sich auf unterschiedliche Menschen und Situationen einzustellen, eine – auch für später – wichtige Erfahrung.

 

Abschließend …

… das Bewusstsein, dass ihre Kinder wirklich Kinder sein und ihre Potentiale entfalten dürfen, ist unersetzlich

… das Erleben, dass die Begleiterinnen kind- und prozessorientiert agieren, ist unersetzlich

… das Erfahren, dass ihre Kinder durch die frische Luft und die Bewegung in der Natur nahezu maximale Gesundheit erleben dürfen, ist unersetzlich

… DANKE, dass es den (Klein-)KinderWald gibt !!!

Ein Vogel auf Weltreise

Ein Beitrag von Lena (Begleiterin im Kinderwald):

Im August macht sich Unruhe unter den Störchen breit: Die Jungstörche unternehmen immer weitere Ausflüge und sind bald ganz aus ihrem Nest verschwunden und auch der Rest der Störche bereitet sich auf eine lange Reise vor. Nach 2 bis 4 Zugmonaten haben sie ihr Ziel erreicht und verbringen dort ihren Winter.

Auch im Kinderwald können wir das Kommen und Gehen so mancher Vögel beobachten. Während der Kuckuck im April noch lauthals den Frühling verkündet ist er im Sommer kaum noch zu hören und auch das neugierige Rotkehlchen ist im Herbst nur mehr selten ein Gast bei unserem Bauwagen.

Mit dem Beobachten kommen natürlich viel Fragen auf.

Was sind Stand- und Zugvögel? Warum fliegen manche eigentlich weg? Ist ihnen etwa kalt? Was fressen die Vögel die hierbleiben, wenn überall Schnee liegt? Können die mit ihren Schnäbel Eis aufhacken?

Und was erlebt eigentlich so ein Vogel auf seiner langen Reise?

Um Antworten auf einige Fragen zu bekommen, schauen wir uns das Thema im Kinderwald genauer an. Und beobachten die Reise eines Storches namens Arthur. Arthur wurde in Deutschland mit einem Sender bestückt und somit können wir seine Reise genau nachverfolgen. Im Kinderwald berichten wir Begleiterinnen von Arthurs Reise über den Bosporus in der Türkei nach Südafrika. 

 

 Welche Strecke wählt er aus, was wird er alles sehen auf seiner Reise, wo macht er Rast?

Die Kinder im Kinderwald sind ganz aufgeregt, ob er wohl die Pyramiden von Gizeh gesehen hat, oder hat Arthur vielleicht bei seiner Rast am Nil ein Krokodil oder ein Nilpferd entdeckt? Arthur hat nun bereits sein Winterquartier den Tschad erreicht. Und während wir das Verfärben und Herabfallen der Blätter beobachten genießt Arthur die Wärme und die Fülle an Nahrung. 

Und wann kommt Arthur wieder zurück? Und fliegt er dann die gleiche Strecke?…

Das ist eine andere Geschichte, die im Kinderwald sicher wieder einige Zuhörer finden wird.

 

Rusty war da

Schon das zweite mal durfte der Therapiebegleithund Rusty die Kinder im Kinderwald besuchen, fühlte sich schon an, als würde er dazu gehören.

Wo die jüngeren Kinder noch langsam und recht strukturiert in das Regelsystem eingeführt wurden, durften die älteren Kinder schon frei und kindzentriert mit ihm arbeiten.

Von Leckerli verstecken, Kommandos üben oder einfach nur spielenspielenspielen war alles dabei – manche sind dabei auch weit über ihre Grenzen hinaus und haben ihre Ängste bewältigt!

Der Wissenstand der Kinder über das Thema Hund hat sich immens erweitert…

…denn liebe Erwachsene wisst IHR warum sich ein Hund über die Lefzen schleckt, warum Frauchen manchmal mit dem Clicker klickt oder warum es unhöflich ist, wenn man einem Hund in die Augen sieht? Seht ihr! Fragt doch die lieben Hundeprofi-Kinderlein!

Spaß beseite – das spannenste für mich war, das Wissen, dass sich Kinder das ganze Jahr über behalten haben! (Zeitspanne zwischen erstem und zweitem Besuch: Frühjahr 2017 – Frühjahr 2018) An manche Fakten haben sie sich bis ins kleinste Detail erinnert, sodass mehrfache Wiederholungen naheliegend wären. Die waren aber nicht da.

Für mich ein kleiner, feiner Beweis, wie tief sich Wissen durch tiergestützte Pädagogik hirnorganisch verankert und wie sinnvoll vermehrter Einsatz von Hunden in Kindergärten und Schulen Sinn machen würde!

In diesem Sinne – ein fröhliches Wau und liebe Grüße,

Conny (der aufrechte Part des Therapiebegleithundeteams)

Sommerfest 2018

… welch ein Geschenk! Normalerweise heißt es ja immer „wenn Englein reisen…“. In unserem Falle
war’s ein „… wenn Englein ein Sommerfest feiern…“. So viele uuurliebe KinderWald-Menschen!
Babies, junge Kinder, Eltern, Großeltern, Pädagoginnen. Alle waren sie da und voll dabei! Als wir den
KinderWald 2011 gegründet haben, hätten wir’s uns fast nicht schöner ausmalen können, als es jetzt
ist, echt! Es ist wirklich erfüllend und wie ein Geschenk, zu erleben, dass hier immer wieder neue,
lässige, weltoffene und sehr individuelle Leut’ mit ihren Kindern zusammenkommen, um miteinander
zu sein. Klar, neben Kind 1 und Baby lässt sich’s nicht sooo leicht ein Sommerfest feiern, wie damals
ohne Kinder. Aber diese Umstände berücksichtigend, haben wir wirklich entspannt und genussreich
gefeiert. Klar, dazwischen mal Kind 1 getröstet, Kind 2 vertröstet und Baby gestillt…, aber dennoch
war die Festlichkeit des Festes durchgängig spürbar. Das meine ich mit „lässige Leut“, die ganz und
respektvollst mit ihren Kindern im Leben stehen. In einem Leben, in dem Kinder wirklich wichtig sind
und in dem diese Eltern sich immens weiterentwickelt haben, um nun beides, Kinder und
Entspanntheit, Lockerheit, Weltoffenheit und individuelle Lebensqualität zu leben. Unser Sommerfest
bot uns allen wieder eine große Vielfalt an Erleb- und Genießbarem. Da wurde gesungen, gewurlitzert
(ja, die Kinder haben ausnahmsweise für die Erwachsenen auf Wunsch gesungen & gespielt),
kräutergewandert, geschmaust, gespendet und wortgespendet, sich mit den Kindern gefreut, sich
nette Erwachsenengespräche gegönnt, geslacklined und Gummistiefel-weitgeworfen, ehe am
Lagerfeuer und bei improvisiertem Lagerfeuergemusiziere Stockbrot und Wurst gegrillt und von den
Kindern physikalisch-pyromanisch experimentiert wurde. Der prognostizierte Regen deutete sich 3x
kurz an, brach dann aber erst um 01:00 Uhr morgens NACH dem gelungenen Fest über Linz herein.
Ja, eben, wenn Englein feiern… 😉

Montessori im Kinderwald: Winter und Sommer

Ein Interview mit den Begleiterinnen Doris und Gerti.

Ruth: Es gibt ja im Kinderwald in den kalten Monaten den Indoor-Montessori Raum. Warum habt ihr den initiiert?

Gerti: Maria Montessori ist eine ganz besondere Reformpädagogin. Ihre Pädagogik ist ganz nahe am Kind, sieht das Kind in seiner Ganzheitlichkeit und greift das auf, was Kindern im hier und jetzt in ihrer Entwicklungsphase wichtig ist. Zusätzlich zur vorbereiteten Umgebung des Waldes wollten wir daher auch eine vorbereitete Umgebung des Indoorbereiches schaffen.

Ruth: Was ist denn das Besondere an dem Montessori Material?

Doris: Für Maria Montessori war ein wichtiger Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“, das hat einmal ein Kind zu ihr gesagt. Was wir mit den Kindern indoor unter anderem machen, sind lebensnahe, lebenspraktische Sachen. Die Kinder lernen Alltagsdinge selbst zu machen, werden dabei unterstützt, möglichst bald selbstständig zu werden, damit sie nicht immer auf die Hilfe von einem Erwachsenen angewiesen sind. Bei Montessori-Material gibt es auch immer eine Selbstkontrolle, das heißt die Kinder brauchen hier auch keinen Erwachsenen der ihnen sagt, ob sie richtig oder falsch gearbeitet haben, sondern sie merken das selber und können sich dann selbst korrigieren.

Gerti: Montessori nimmt die Kinder in ihren sensiblen Phasen ganz stark wahr und bietet genau das Material an, das für sie passt. d.h. die Kinder holen sich genau das Material, das sie inspiriert und sie in ihrer sensiblen Phase anspricht. Z.B. Wenn gerade Zahlen ein sensibler, wichtiger Punkt sind, greifen sie zu dem Zahlenmaterial und vertiefen sich, kommen in einen Flow und nehmen gar nichts anderes wahr, und haben innerhalb kürzester Zeit diese Lernschritte gemacht, die sonst in einer mühseligen Arbeit später mal in der Schule passieren würden. Diese passieren hier in einer ganz entspannten, lustvollen Atmosphäre.

Ruth: Gibt es bei euch im Montessori-Raum so etwas wie „Lieblingsmaterialen“ der Kinder?

Gerti: Es gibt schon Lieblingsmaterialen, aber prinzipiell gibt es jeden Mittwoch, an unserem Montessori-Tag ein Material, das neu vorgestellt wird, das ist dann manchmal der Renner, aber Dauerrenner sind z.B. die römische Brücke, die die Kinder sehr herausfordert. Da wird mit Hölzern über einen vorkonstruierten Bogen ein Bogen gebaut und dann wird die Konstruktion unterhalb weggeschoben, wenn alles gebaut ist. Das ist dann ein großes Aha-Erlebnis für die Kinder, ob die Brücke steht, oder nicht. Das ist jedes Mal etwas ganz Bezauberndes, Besonderes.

Die römische Brücke.

Doris: Auch das Lesekrokodil verwenden sehr viele Kinder. Mit 4 Jahren beginnt ja in etwa die sensible Phase für Symbole, da ist oft zuerst das Schreiben und dann das Lesen lernen aktuell. Beim Lesekrokodil ziehen die Kinder einen Zettel mit Buchstaben heraus, es kommt immer ein Buchstabe dazu, und hinten ist dann die Selbstkontrolle, da steht z.B. Wiese und hinten ist dann eine Wiese aufgezeichnet. Wir verwenden hier viele „waldische“ Begriffe.

Das Lesekrokodil.

Gerti: Aber auch die einfachen Materialen wie Löffeln und Schütten von einem Gefäß in ein anderes haben immer wieder einen Reiz. Das bietet man so an, dass zuerst mit großen Schüttgegenständen wie Kastanien, bis später zu ganz feinen wie Linsen und Wasser gearbeitet wird. Das passiert immer bewusst von links nach rechts, weil das auch die Schreibrichtung in unserer Kultur ist.

Doris: Was auch spannend ist für die Kinder, ist mit der Pipette zu arbeiten. Dabei gibt es z.B. in einer Klarsichthülle Figuren, Formen, Zahlen oder Buchstaben mit Punkten und dann nimmt man die Pipette und macht genau dort einen Tropfen Wasser auf die Punkte. Am Schluss wird es dann wieder weggewischt. Das ist auch ein wichtiger Aspekt bei der Montessori Arbeit, dass die Kinder den Platz wieder so verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben, damit das nächste Kind sich wieder orientieren und starten kann.

Arbeiten mit der Pipette.

Gerti: Bei Montessori hat jedes Kind einen Arbeitsbereich, einen Teppich. Jedes Kind holt sich einen Teppich und ein Material und räumt das Material auch wieder dorthin zurück, wo es war. Es gibt aber auch Materialien bei uns im Kinderwald, an denen mehrere Kinder gleichzeitig arbeiten, z.B. das Hunderterbrett, Gummiringerlspannen oder die römische Brücke. Dort begleiten auch oft die Kinder, die es schon können, die neuen Kinder.

Ruth: Was ist eure Rolle als Begleiterinnen?

Gerti: Wir Beleiterinnen sind eher im Hintergrund. Wir bieten Material an und bereiten die Umgebung vor und geben Hilfe zur Selbsthilfe. Sonst halten wir uns so viel es geht zurück bzw. animieren auch die Kinder, dass sie sich gegenseitig unterstützen, denn das ist für beide Seiten bereichernd.

Doris: Ein Material, das gerade auch sehr spannend für die Kinder ist, ist das Prickeln. Dabei haben wir für jedes Kind einen Zettel mit dem jeweiligen Namen in Großbuchstaben vorbereitet, darauf sind Punkte wo die Kinder dann alle Löcher prickeln, und dann den Namen nachnähen.

Gerti: Das Ziel das man in diesem Fall erreicht ist die Feinmotorik, eine Schreibmotorik. Dieses ganz gezielte Arbeiten an einem Punkt erfordert höchste Konzentration, Feingefühl, Feinmotorik und Ausdauer. Die Kinder haben einen enormen Spaß und Motivation dabei, weil es einfach so lustvoll ist, das was entsteht zu sehen, spüren. Die Ziele, die wir verfolgen sind prinzipiell ganz individuell darauf abgestimmt, wo die Kinder gerade in ihrer Entwicklung sind. Eine Zeitlang gab es ein großes Interesse an Zahlen – das Zählen, und später das herausfordernde Addieren und Subtrahieren. Wir haben eine Additionsschachtel gestaltet: eine Zündholzschachtel, wo in der Mitte nicht ganz durchgehend ein Steg ist mit 5 Kugeln darin. Die Schachtel kann dann zugemacht und geschüttelt werden, und wenn man sie aufmacht sind dann z.B. 3 Kugeln auf der einen und 2 auf der anderen Seite oder andere Kombinationen. Immer wieder aber ergibt es 5. Die Kinder haben dann Addition und Subtraktion mit Kärtchen nachgelegt. Dieses Material ist dann für Kinder, die schon wissen, dass es ein „dazu“ und ein „weg“ gibt eine lustvolle Möglichkeit die Addition und Subtraktion nachzuvollziehen.

Rechnen mit der Additionsschachtel.

Ruth: Für welches Alter ist das Montessori-Material?

Gerti: Im Moment haben wir eher nur die älteren Kinder mitgenommen, aber grundsätzlich ist es für alle gedacht, nach und nach haben wir auch jüngere Kinder mitgenommen die interessiert sind. Bis Ende April waren wir an unserem Montessori-Tag indoor, ab Mai wieder outdoor. Dort werden dann auch die jüngeren Kinder von unseren Experten, den älteren Kindern, gemeinsam mit uns begleitet, um die Outdoor-Materialen, und auch die robusteren Indoor-Materialen, einzuführen.

Die Kinder arbeiten in den warmen Monaten outdoor mit Montessori Material.

Doris: Das ist auch einer der Gründe warum wir in den nasseren Monaten einen Raum gemietet haben, weil Materialen dabei sind, die draußen kaputt oder verloren gehen können.

Gerti: Abschließend kann man sagen, dass Montessori-Pädagogik eine ganz feine Ergänzung zur Natur-und Waldpädagogik ist, rundet alles ab und fokussiert nochmal in einer anderen, intensiven Form als Bereicherung.

Ruth: Vielen Dank für das Interview!