Gebärdenunterstützte Kommunikation im KinderWald

Durch Kommunikation gestalten wir unsere Beziehungen. Indem wir miteinander reden, lernen wir uns und andere besser kennen. Um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist es wichtig, die eigenen Wünsche der Lebensgestaltung differenziert ausdrücken zu können. Schon sehr früh lernt ein Kind, dass es durch Kommunikation seine Umwelt verändern und beeinflussen kann. Ein Kind, welches immer wieder die Erfahrung macht, dass es falsch verstanden oder in seinen Äußerungen nicht beachtet wird, kann sehr frustriert werden. Zur Bewältigung der Situation bleiben ihm nur wenige Möglichkeiten: Kommunikationsbemühungen werden über kurz oder lang eingeschränkt oder eingestellt. Oder es wird versucht durch herausforderndes, provozierendes oder aggressives Verhalten seine Umwelt zu beeinflussen, um der Frustration Ausdruck zu verleihen. Es gibt unterschiedliche Gründe, wie es dazu kommt, dass sich ein Mensch nicht lautsprachlich mitteilen kann. Kommunikation ist etwas, das jeder als selbstverständlich betrachtet. Kinder die sprechen können, sagen mit wem sie spielen möchten, fragen einen Besucher nach seinem Namen oder äußern einfach nur das Befinden. Kinder mit fehlender oder nicht ausreichender Sprachmöglichkeit können oft nicht sagen oder zeigen was sie gerade beschäftigt und was sie noch über ein Thema wissen möchten. Und selbst wenn es nicht das erhält was es gerne möchte, so hat es doch wenigsten geäußert, was es will.

Im Jahr 2004 startete das Diakonie Zentrum Spattstrasse unter der Leitung von Mag.(FH) Andrea Boxhofer (Logopädin) das Pilotprojekt „Frühe – Kommunikations – Förderung“ zur Unterstützung von Familien mit nichtsprechenden Kindern im Alter von zwei bis sieben Jahren. Unterstützte Kommunikation (UK) ist ein sonder- und heilpädagogisches sowie therapeutisches Konzept zur Entfaltung bestmöglicher, individueller Kommunikationsaktivitäten. Für Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung unklarer oder auch bekannter Ursache ist die Unterstützte Kommunikation ein weltweit anerkannter Weg, um mit der Umwelt in Kontakt und Interaktion treten zu können. Unterstützte Kommunikation umfasst eine Begleitung der Lautsprache mit Gebärden (in der UK die oberösterreichischen, teilweise vereinfachten Gebärden), Kärtchen oder elektronischen Medien. UK NutzerInnen, die die Lautsprache nicht im ausreichenden Maße erwerben, können über diese Brücke an gebärdensprachliche Strukturen herangeführt werden, um ihnen den Weg zu einem alternativen, linguistisch vollwertigen Sprachsystem zu eröffnen. Es geht in der Unterstützten Kommunikation darum, die wichtigsten Schlüsselwörter des Satzes bewusst und konsequent mit der Gebärde zu unterstreichen.

Seit September 2013 besucht Finn-Franziskus den Kinderwald. Finn ist mittlerweile viereinhalb Jahre alt und seit seinem ersten Lebensjahr begleitet ihn die Diagnose „Alternierende Hemiplegie im Kindesalter“. Ungefähr alle drei Wochen spürt Finn plötzlich seinen linken Arm und/oder sein linkes Bein nicht mehr. Diese Phase kann von Stunden über mehrere Tage andauern. In dieser Zeit ist es für Finn nicht so leicht den Alltag zu meistern, jedoch ist er ein kleiner – aber eigentlich ein GANZ GROSSER Kämpfer 😉 – Anm. der Mutter, denn selbst in diesen Zeiten ist er immer guter Dinge, freut sich auf den Kinderwald, auf Elli und Gerti, auf die Kinder und auf die Stimmen der Natur. Er möchte sich auch seinen Rucksack selbst tragen, auch wenn es noch so schwierig scheint. Finn – Franziskus spricht auch noch ganz wenig, möglich dass es eine Begleiterscheinung seiner Erkrankung ist… Genau weiß das bis jetzt niemand, denn zwei Kinder in Österreich und hundertfünfzig europaweit leiden an AHC. Und wie Kinder nun mal sind, KEIN Kind gleicht dem Anderen und sie ist lt. Dr. Rosewich Hendrik – (FA für Kinder- und Jugendneurologie im Uniklinikum Göttingen, forscht seit zehn Jahren an AHC ) – die variabelste Erkrankung, die ihm bisher bekannt ist. Als Finn zweieinhalb Jahre alt war begannen wir mit der Unterstützten Kommunikation, und Woche für Woche kam Andrea Leonhardsberger zu uns nach Hause als seine „Frühförderin in der UK“. Sie brachte die spannendsten Dinge für Finn mit, verwendete die einfachsten Gebärden, doch Finn interessierte sich anfänglich nicht dafür. Viiiiieeeel spannender fand er die Traktoren und Fahrzeuge die sich auch noch in Andreas‘ Tasche versteckten.

Überzeugt von der Idee und der Notwendigkeit der UK blieben wir als Eltern konsequent dran und ließen immer mehr Gebärden in unser Leben fließen. Und als in einem Urlaub ein Traktor mit Anhänger unseren Weg kreuzte (wir praktizierten schon ungefähr ein halbes Jahr die UK) zeigte Finn uns unvermittelt, voller Freude und mit einem unbeschreiblichen Strahlen in den Augen spontan die Gebärde für Anhänger. Die Freude in uns war riesengroß, die Überraschung stand uns förmlich ins Gesicht geschrieben. Als ich Finn ́s Entdeckung mit: „Ah, du hast diesen Traktor gesehen und zeigst ihn uns!“, kommentierte strahlte er noch mehr, wirkte zufrieden und entspannt. Er wurde verstanden. Zu Tränen gerührt und das Herz voll Zuversicht arbeitete ich ab diesem Zeitpunkt noch intensiver als je zuvor an meinem Gebärdenwortschatz, um in jeder Situation die passende Gebärde für Finn parat zu haben. Mittlerweile ist Finn auf dem sprachlichen Entwicklungsstand von ungefähr zwei Jahren. Er verwendet die Gebärden in seinem vertrauten Umfeld. Der Kinderwald gehört immer mehr zu Finns vertrautem Umfeld.

An dieser Stelle ist es nun ENDLICH mal Zeit DANKE zu sagen. Unsere Betreuerinnen Elli, Gerti, Lena, Riki und Julia sind alle vier sehr motiviert, gemeinsam mit uns, mit Finn, unserer Logopädin Angelika Riener und Finns Frühförderin Andrea Leonhardsberger an der Gebärdenunterstützten Kommunikation zu arbeiten. Im Kinderwald wollen wir inklusiv tätig sein, daher ist es uns auch wichtig, dass die Kinder der Gruppe bilingual begleitet werden und nicht nur Finn als „Kind mit besonderen Bedürfnissen“ mit Gebärden begleitet wird… Nur so haben sie auch die Chance Finns Gebärden, und somit das, was er lautsprachlich nicht sagen kann dafür mit den Händen zeigt, auch ZU VERSTEHEN, Finn zu verstehen.

Wir wissen sehr genau, dass es am Anfang nicht einfach ist, im Alltag mit den Kindern die wichtigsten Gebärden einfließen zu lassen. Die Kinder werden sich vielleicht anfangs fragen: „Wieso verwendest du Gebärden wenn du mit mir sprichst? Ich versteh dich ja eh…?“ Aber genau darum geht ́s. Nur wenn auch Finns Umfeld seine Gebärden kennt, können sie verstehen, sehen, was er sagen bzw. zeigen möchte.

Kinder lernen in und von der Gemeinschaft – im Kindergarten, in der Schule und in der Familie.! Die Kinder und die Betreuerinnen verbringen sehr viel Zeit miteinander, sie können mit Hilfe ihrer Bereitschaft die Gebärdern der GuK zu lernen, wesentlich dazu beitragen frustrierende Kommunikationsfehlschläge und somit Gefühle wie „ich werd ohnehin nicht verstanden“, zu verringern. Die Gebärden werden von den Kindern, v.a. von den jüngeren Kindern interessiert angenommen, es ist eine natürliche Sprache die selbst Babys und Kleinkinder spontan und instinktiv vereinfacht verwenden.

Ein besonderes Anliegen der UK ist, dass die Betroffenen, ihre Angehörigen, die pädagogischen MitarbeiterInnen, die BegleiterInnen gemeinsam ein Kommunikationssystem aufbauen, das dem unterstützt Kommunizierenden die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Es geht nicht darum, dass alle Gesprächspartner therapeutisch tätig werden, sondern dass die therapeutischen Maßnahmen der UK in den Alltag getragen, konsequent einheitlich umgesetzt und damit wirksam werden.

Anfangs wurde die Kommunikation von uns eingebracht und von den Betreuerinnen engagiert umgesetzt. Nun hat sich nach langer Wartezeit die Möglichkeit ergeben, dass erstmal eine Betreuerin (Elli) ab 22.09.2014 gemeinsam mit Franz (Vater von Finn) den Grundkurs der Gebärdenunterstützten Kommunikation im Institut für Sinnes- und Sprachneurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder besuchen kann und ich bin zuversichtlich, dass sowohl Finn als auch all` unsere KinderWaldkinder davon profitieren werden. !
DANKE!!!

Birgit Laister (Mutter von Finn-Franziskus und Flora-Marie, Vereinsmitglied)!

Literatur:!
UK & Forschung 2 (www.vonLoeper.de/uk)!
Unterstützte Kommunikation -Ein Ratgeber für Eltern, Angehörige sowie Therapeuten und Pädagogen, 3. Auflage (Schulz Kirchner Verlag)!
Jetzt sag ich ́s dir auf meine Weise ! Erste Schritte in Unterstützter Kommunikation mit Kindern (Loeper Fachbuch )!
für Interessierte sind die meisten Gebärden auf folgendem Videoportal nachzuschlagen.http://www.uk-ooe.at/index.php?id=186!

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