Ein Vormittag bei uns: Waldfest, Restaurantgründung und Räuberei…

Unsere Begleiterin Elli erzählt: Vom Mühlviertel nach Linz Urfahr fahre ich durch eine dicke Nebelschicht. Ich überlege noch einmal, ob ich auch ausreichend warme Kleidung im Kofferraum habe, denn wenn der Nebel den Wald wie eine beschlagene Scheibe aussehen lässt, kann es kalt werden!

Der Nebel lichtet sich und beim KinderWald-Parkplatz begrüßen mich wärmende Sonnenstrahlen.

Als alle Kinder da sind, spazieren wir los. Bei unserem „Baum mit Schild“ angekommen, überlegen wir gemeinsam, welchen Weg wir heute gehen wollen. „Zum Wurzelbaum!“ meinen die einen. “ Nein zum Bauwagen!“ meinen die anderen. „Ja, nein, doch, nein, ja, nein, doch….!“ Alle Interessen berücksichtigend, entscheiden wir uns schließlich dazu, zuerst zum Wurzelbaum und dann weiter zum Bauwagen zu gehen.

Beim Wurzelbaum – einem Wurzelgeflecht von ca. 2 Quadratmetern in Hanglage macht sich eines der Mädchen sogleich an die Arbeit, die „Wohnung mit Balkon“ zu versorgen. Ihre Freundin sammelt die verschiedensten Blätter, um den Boden damit zu belegen. Nach einer Weile beobachte ich beide, wie sie mit Stecken die trockene, sandige Erde rund um die Wurzeln bearbeiten. „Weisst du, wir machen den Wurzelbaum neu, wir verändern ihn!“ sagen sie. Kurz darauf steht fest, heute soll es ein Fest geben, ein grosses Fest, zu dem alle eingeladen sind! „Da dürfen die Kinder ganz lange aufbleiben, und es gibt sogar Gummibären und Eis!“, posaunen die Gastgeberinnen stolz heraus. Zwei Mädels eröffnen in der Zwischenzeit ein Restaurant gleich um die Ecke. Im Restaurant fungiert ein Stock als Eingangstür und es gibt auch einen Baum zum Malen! „In zehn Minuten sperrt das Restaurant zu! In zehn Minuten sperrt das Restaurant zu!“ rufen die Mädchen aus dem Haus. Nun gesellt sich ein weiteres Mädchen dazu und übernimmt die Rolle des Hundes. Prompt erhält die Hündin ihren eigenen Hundebaum…

An einem Parallelschauplatz haben zwei ältere Kinder einen wirklich grossen Ast auf den Weg geschleppt und ein alter Wurzelstock wurde ganz in der Nähe aufgestellt. Heute wird er multifunktional verwendet. Als Kutsche mit Lenkrad und Pferd. Räuberskutsche allerdings. Und wie das Leben so spielt kommt es, dass ein Räuber die Schwelle zum Restaurant übertritt, alle herumliegenden Rucksäcke einsammelt und ganz gemein auf den Weg stellt. Eines der Mädchen, welches gerade unbedarft dazustößt, ist darüber gar nicht glücklich. „Ich will nicht, dass er unsere Rucksäcke rausgibt!“ Jetzt wird’s ernster als zuvor. Wir treffen uns am Weg, um über das Vorgefallene zu sprechen. Das Mädchen will verzweifelt das Unrecht stoppen, als der Räuber von sich aus vorschlägt „Dann müsst ihr eben ein Netz bauen, damit wir Räuber nicht mehr reinkommen!“ Doch das war keine Lösung, die für alle passte. -Stille- „Gut“, meint der Räuber nun räudig „wir können eh verhandeln. Wir machen das nicht mehr, nie wieder!“ Ohne daß es einer weiteren Ergänzung bedurft hätte, löste sich die „Besprechung“ wieder auf und alle widmen sich wieder ihrem Spiel. Auch der Hunger wird langsam spürbar. Nach und nach versammeln sich alle Kinder am Fuße des Wurzelbaumes und jausnen.

Das Spiel der Kinder ist lebendig, wandlungsfähig und spontan. Gleich nach der Jause geht es weiter. Ein Mädchen verweilt längere Zeit am Boden, kehrt die Blätter behutsam mit der Hand weg und beginnt mit einem Stock Spuren zu ziehen… Buchstaben, Zeichen…? Dabei entdeckt sie einen winzig kleinen Wurm. Ein Junge, der heuer neu in die Gruppe kam, kann sich kaum halten und ruft voller Begeisterung: „Schaut, alle herkommen, alle Kinderwaldkinder herkommen, so etwas habt ihr noch NIE gesehen!“, bis sich alle Kinder rund um den kleinen Wurm versammeln. Stille. Nun löst sich die Gruppe wieder auf. Nun entdeckt der Junge ein grünes Blatt – es ist ihm ein Fisch – „er schaut kurz bei mir vorbei und schwimmt dann nach Afrika.“ Nach seiner weiten Reise bekommt er ein Schlafzimmer aus Laub mit einem Bett und einer Decke aus zwei gelben Ahornblättern. Nebenan laufen die Festvorbereitungen auf ihren Höhepunkt zu. Die Kinder beschließen, es soll sogar eine Aufführung geben. Dafür schlüpfen sie in fiktive Prinzessinnen- und Bärenkostüme und schminken einander hingebungsvoll mit rotbrauner Walderde. Ein kleiner Stock dient ihnen als Pinsel.
Während ich so dasitze und die Kinder beim Spiel beobachte, halte ich ein Ahornblatt in der Hand, welches ich, ganz nebenbei zu einer Tüte drehe und neben mich stelle. Eines der Mädchen nimmt das wahr und holt sich die Tüte… eine Eistüte, na klar! Und schon werden verschiedene Tüten gedreht und mit den leckersten Eissorten gefüllt! Im Wald gibt’s nämlich alles – sogar leckeres Eis 😉

„Nur im Spiel ist der Mensch ganz frei“ (nach F. v. Schiller)
Elli Braunschmid,
Begleiterin im KinderWald.

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