Unsere Pädagogik

Selbstbestimmte Persönlichkeitsentwicklung im Einklang mit der Natur

Unser duales Konzept verbindet konsequent – und in der Form für Linz einzigartig – eine „Pädagogik zur Selbstbestimmung“ mit „Wald- und Naturerfahrung“. Die Generation unserer Kinder wächst tendenziell als erste Generation seit Menschengedenken ohne direkte und unmittelbar gelebte Beziehung zur Natur auf! Diese Tendenz wird nicht ohne Auswirkungen bleiben. Wir wollen hierzu einen Gegenpunkt setzen. Dabei folgen wir nicht der romantischen „back to nature-Bewegung“, sondern bemühen uns ernsthaft um den Erhalt von Lebendigkeit, Gesundheit, Kreativität, Natur- und Selbstverbindung von Kindern durch am eigenen Leib gemachte Erfahrungen in und mit der Natur.

Denn nur „aus solchen Erfahrungen können im kindlichen Gehirn all jene inneren Einstellungen und Haltungen herausgeformt werden, die eine ‚Nature-Child-Reunion‘ ermöglichen (…), die die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärken und die Entfaltung der in ihnen angelegten Potenziale, ihre Entdeckerfreude und Gestaltungslust wieder anregen und verloren gegangene Sinnbezüge wiederherstellen.“ (Hüther 2011, S.13 in Louv „Das letzte Kind im Wald? Geben wir unseren Kindern die Natur zurück!“, 2011)

Kurzdarstellung:

Pädagogische Grundannahmen (Montessori, Pikler, Wild…)

Jedes Kind ist einzigartig und trägt seinen individuellen Entwicklungsplan in sich: Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, feinfühlig darauf zu achten, wofür es sich interessiert, was es tut und tun möchte und ihm entsprechende Möglichkeiten anzubieten („vorbereitete Umge-bung“). Dann nehmen wir uns vertrauensvoll zurück und beob-achten, was das Kind daraus macht. Das spannende daran: Der Mensch kann nicht „nicht lernen“! Befindet sich ein Kind im inneren Gleichgewicht, ist es von sich aus in der Lage, selbst-bestimmt sein Entwicklungspotenzial in vorbereiteter Umge-bung voll zu entfalten und seinen Entwicklungshunger lernend zu stillen. Unsere Aufgabe ist es, dem inneren Gleichgewicht und dem wieder ins-Lot-Kommen des Kindes zuzuarbeiten. Durch die gelebte Botschaft eines liebevollen, wertschätzenden Angenommenseins, das Auslebendürfen von Frustration durch begleitetes (nicht verhinderndes), spannungsabbauendes Weinen und durch einen achtsamen Umgang mit uns selbst. Bin ich selbst im besseren inneren Gleichgewicht, kann ich einem Kind alles das eher bieten.
Ein starker Bezug zur Natur und abwechslungsreiche Bewegung wirken sich positiv auf die körperliche, geistige und seelische Entwicklung von Kindern aus. Die intensiven Erfahrungen und der respektvolle Umgang miteinander, mit der Natur und ihren Schätzen bilden die Basis für ein nachhaltig umweltbewusstes Leben.

Was erwartet die Kinder?
– Eine Pädagogik konsequent vom Kinde aus
– Ein idyllisches, spannendes Areal am Bachlberg mit fast unbegrenzten Möglichkeiten und Inspirationsquellen.
– Eine vorbereitete Umgebung abgestimmt auf die Bedürfnisse der Kinder: Materialien in Anlehnung an Montessori, Werk(statt) Plätze, Bewegungselemente, Weidenhaus, Gatschküche, Steinbruch (Erdrutsche), Nützlingshotel, Bach- und Wurzel-plätze, diverse Tiere & Pflanzen, die Nachbarsziegen etc.
– beheizbarer Bauwagen als Unterschlupf bei Extremwetter
– Freiwilligkeit, Selbstverantwortung, Demokratie: Im Rahmen sensibel und klar vorgegebener Grenzen entscheiden die Kinder selbst über ihr Tun. Sie wägen ab, wobei sie (nicht) mitmachen wollen. Wir respektieren, dass nicht immer alle Aktivitäten für alle Kinder passen.
– Empathische, individuelle Konflikt- und Entwicklungsbegleitung
– Spontan-situativ-kreatives Tun: Lieder erfinden, Kochen mit Kräutern, Werken mit Naturmaterial
– Original Play – „Von Herzen Spielen“, nach Fred Donaldson
– Feste und Rituale im Jahreskreislauf
– kleine Gruppengröße mit Altersdurchmischung

unsere REGELN und somit auch Grenzen lauten:

  • Wir schlagen und verletzen uns nicht. Auch nicht mit Worten.
  • Ein Kind darf in seiner Arbeit oder seinem Spiel nicht gestört werden. Ich frage, wenn ich bei jemandem mitmachen möchte. Der/die darf ja oder nein sagen.
  • Material, das von jemandem benutzt wird, darf nicht weggenommen und nur mit gegenseitigem Einverständnis mitbenutzt werden.
  • Mit dem Arbeits- und Spielmaterial gehen wir sorgsam um und tragen/räumen es dorthin zurück, wo wir es her genommen haben.

Konsequent einzuhaltende / zu erlernende Regeln , die in unserer Konzeptoffenheit Sicherheit und Schutz bieten und zur Orientierung beitragen. Die Regeln und Konsequenzen sind für die Kinder klar und nachvollziehbar und werden bei Bedarf immer wieder erklärt und besprochen.

Was erwartet Sie als Eltern?
– Ausführliche Rückmeldungen zu ihrem Kind!
– Die Chance, sich mit eigenen Interessen und Themen einzubringen und den eigenen Naturbezug wieder zu stärken
– Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit pädagogischen Fragen
– Berichte aus dem Waldalltag auf unserer Homepage bzw. in Besprechungen.

Ausführlicher: Theoretische Grundannahmen

Die von ELEMENTA verfolgte Pädagogik fußt in den theoretischen Grundannahmen von Maria Montessori, Jean Piaget, Pikler/Hengstenberg sowie in jüngeren Erkenntnissen der Systemtheorie nach Luhmann, Maturana/Varela und der Gehirnforschung/Neurobiologie nach Gerald Hüther. Diese theoretischen Säulen wurden von R.&M. WILD intensiv und eindrucksvoll in der Praxis erprobt und reflektiert. Sie fanden Eingang in diverse erfolgreiche, professionelle und inzwischen etablierte alternativpädagogische vorschulische und schulische Angebote auch in Österreich. Selbst die Regelschule und der Regelkindergarten nehmen inzwischen vermehrt Bezug darauf.

Ausgewählte Grundannahmen, die im KinderWald umgesetzt werden sind u.a.:

– Jedes Kind trägt seinen eigenen Entwicklungsplan in sich, aus dem sich individuelle Entwicklungsbedürfnisse ergeben, welche vom Kind befriedigt werden wollen.
– Dieser Plan ist einerseits im Inneren eines jeden Menschen individuell und einzigartig angelegt und entfaltet sich gleichzeitig durch einen ständigen Austauschprozess mit seiner Umgebung.
– Entwicklungsbedürfnisse können umso eher keimen und wachsen, je mehr das Kind vertrauensvoll in einer Atmosphäre von Geborgenheit und liebevollem Angenommensein aufwächst.
– Ein Kind, das sich im inneren Gleichgewicht befindet, ist von sich aus dazu in der Lage, seinen individuellen Entwicklungsprozess bestmöglich durch spontan gewählte Aktivitäten oder Phasen von Ruhe zu leben und seinen Entwicklungshunger “lernend” zu stillen. Es benötigt keine Motivation oder ständige Aufforderungen von außen.
– Das innere Gleichgewicht wird durch die harmonisierende, regulierende, natürlich-stimulierende und -strukturierende Wirkung der Natur auf die Kinder ermöglicht bzw. gestärkt.
– Der hohe Naturbezug wirkt sich in hohem Maße gesundheitsfördernd auf die körperliche, geistige und seelische Entwicklung von Kindern aus.
– Vielfältige, abwechslungsreiche körperliche Bewegung – wie sie die Natur einem Kind abverlangt – ermöglicht den Aufbau jener Gehirn- und Verständnisstrukturen, die ein Kind für spätere kognitive Entwicklungsaufgaben und den Aufbau von wissensunabhängigen Metakompetenzen (Selbstwirksamkeits-, Handlungs- und Planungskonzept, intrinsische Motivation und Impulskontrolle, Frustrationstoleranz) braucht. http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/texte/sich-bewegen-gerald-huether/index.php
– Die intensiven Naturerfahrungen und der respektvolle Umgang mit der Natur und ihren Schätzen bilden die Basis  für ein nachhaltig umweltbewusstes Leben.

Die Umsetzung und ihre Effekte

– Spielzeugfrei: unstrukturiertes Material hat Vorrang! ? Kreativität und Flexibilität

„Wo sind die Kreativität und Flexibilität vieler Kinder und Jugendlicher bei der Lösung von Problemen hingekommen?“, fragt man sich heute vielfach. Die Erfahrung zeigt uns, dass die „bloße“ Natur den Kindern wesentlich mehr Problemlösungskompetenz und Kreativität abverlangt, als ein perfekt ausgestattetes Kinderzimmer. In der Natur finden die Kinder – manche sofort, manche nach einem gewissen „Anlauf“ – unbegrenzte Inspirationsquellen für ihr Spiel und Tun vor. Wir bieten ihnen dafür Werkzeuge, Sammelbehälter, reduzierte Materialien in Anlehnung an Montessori, Plätze mit Werkstattcharakter und Bewegungselemente an, sodass sie ihre individuellen Ideen umsetzen können. Klassisches “Spielzeug” gibt’s bei uns hingegen nach Möglichkeit nicht. Wir gehen davon aus, dass die Kinder zu Hause ohnehin üppig damit ausgestattet sind.

Bedürfnisorientierung: Ich-Kompetenz, soziale Kompetenz ? Lösungs- und Konfliktlösungskompetenz

Die Ichkompetenz und die soziale Kompetenz können am besten heranreifen durch ein sensibles Erkennen und Begleiten individueller – z.T. auch konflikthafter – Entwicklungsbedürfnisse des Kindes im Umgang mit Materialien und anderen Menschen. Entwicklungsbedürfnissen begegnen wir mit der Ermöglichung des Ausagierens. Beschäftigt sich ein Kind leidenschaftlich lernend mit einer Material-, Bewegungs-, Kommunikationsart…, schaffen wir unaufdringlich Möglichkeiten, diese Leidenschaft intensiv auszuleben. Fälle von Streit, Wut und Frust begleiten wir durch ein Aussprechen des kindlichen Bedürfnisses, des konfliktuösen Moments daran und ohne die Vorwegnahme von Lösungen. Die Kinder gelangen auf diese Art zu ihren ganz individuellen Lösungen – stets spannend und einzigartig. Ganz nebenbei gewinnen sie Vertrauen in die eigene Lösungskompetenz bzw. verlieren dieses nicht.

– unstrukturiertes Material ? Phantasie und hohe kommunikative Kompetenzen

Phantasiespiele – Aushandlungsprozesse einer gemeinsamen „Spielwelt“: Der KinderWald erweist sich insofern als sprach-forcierend, als die Kinder außer Werkzeugen und Naturmaterialien kaum konkretes Spielmaterial verwenden. Die Folge ist, dass den zur Verfügung stehenden Dingen, verschiedenartigstes Leben eingehaucht werden muss. Mit einer Portion Phantasie wird eben aus einer kleinen Astgabel eine Astschere oder aus einem Blatt ein Teller, aus dem Schneckenhaus wird eine kleine Tasse und aus dem großen Rindenstück eine Festtagsplatte oder ein Tablett… Damit die Kinder gemeinsam mit ihren Phantasiegegenständen spielen können, müssen sie sich stets aufs Neue über die jeweils aktuelle Verwendungsform des Blattes, der Astgabel, des Schneckenhauses etc. austauschen. Dabei kommt es immer wieder zu Diskussionen, weil ein Kind in der Astgabel eine Astschere sieht, während sich dem anderen die Gestalt einer Spitzhacke eher aufdrängt. Es kommt zum Dialog darüber, wie Kind A und wie Kind B genau die Astschere beschreibt und verwenden würde und zumeist kommt es letztlich zum Konsens darüber, als was die Astgabel von beiden Kindern angesehen und verwendet werden soll, damit diese beiden Kinder auch tatsächlich mit dem gemeinsamen Gegenstand spielen können. Fest steht, dass durch diese Aushandlungsprozesse einer gemeinsamen „Spielwelt“ sowohl eine differenzierte, beschreibende Sprache als auch die Kompetenzen des Rückfragens, Zuhörens, Positionswechsels, der Diskussion bzw. des Konflikts und der Konsens- bzw. Lösungsfindung eingeübt werden. Quasi nebenbei werden also verschiedenartige Funktionen von Sprache erprobt, die wiederum Einfluss auf die Sozial- und Selbstkompetenz der Kinder haben – insbesondere, wenn die BetreuerInnen die Aushandlungsprozesse kommentieren und empathisch, lösungsorientiert begleiten.

Reduktion und ganzheitliche Sinneserfahrungen umfassende Kreativität 

Wenn man davon ausgeht, dass sich Kreativität von produktiven originellen Leistungen beim Lösen von Problemen bis zur künstlerischen Produktion erstreckt und dass Kreativität produktiv-neuartige Lösungen in verschiedenen Bereichen menschlichen Ausdrucks hervorbringt, so bietet der KinderWald unzählige Möglichkeiten eben dafür!

Mit den Kindern wird täglich eine Geschichte entwickelt. Auch Lieder werden gemeinsam mit den Ideen der Kinder getextet. Da die Gruppe primär im Freien stattfindet, wo den Kindern in erster Linie Werkzeuge und unstrukturiertes Naturmaterial zur Verfügung stehen, sind Kreativität und Phantasie in hohem Maße gefordert und werden zugleich ohne Probleme von den Kindern eingebracht. Die tägliche Frage, mit der die Kinder sich täglich unbewusst konfrontieren, lautet: „Was wollen wir aus dem zur Verfügung stehenden Naturmaterial (Schneckenhäuser, Äste, Zapfen, Gräser, Blüten, Steine, Erde, Sand, Laub und Nadeln, Stroh, Heu, Lianen, etc.) machen und wie könnten wir das mit den zur Verfügung stehenden Materialien und Werkzeugen (z.B. Schere, Baumschere, Säge, Hammer, Schaufeln, Rechen, Wäscheklupen, Seile und Schnüre sämtlicher Farben und Stärken, Farben, Papier etc.) oder aber mit bloßer Phantasie schaffen?“. Die Kinder kreieren sich tagtäglich Ihre Welt neu, in die sie eintauchen wollen.

Gleichzeitig bietet die Natur unzählige ästhetische Angebote, die bei den Kindern durch die reale Wahrnehmbarkeit über alle Sinne die Fähigkeit zu ästhetischem Empfinden nähren und grundlegen. Es macht einen Unterschied, ob ich ein Foto von einer Blume sehe oder ob ich die Blume auf ihrer Blumenwiese sehen, riechen, ertasten und vielleicht sogar schmecken kann und ihre Gesamtwirkung auf mich erlebe. Ich sehe nicht nur eine schöne Blume, ich erlebe sie ganzheitlich als schön. Durch derartige Realerlebnisse wird eine vielschichtige, unbewusste „Genuss- und Wahrnehmungsfähigkeit“ von Kindern angebahnt, die sowohl gesundheitsfördernde Wirkung zeitigt als auch eine wesentliche Voraussetzung für kreativ-künstlerische Schaffensprozesse darstellt.

Waldkindergarten – Entstehung und Hintergrund

Wald- und Naturkindergärten existieren seit 1954 in Dänemark, seit 1994 in Deutschland und seit ca. 2000 in Österreich in unterschiedlichen Ausprägungen. Sie unterscheiden sich in der Frage, wie oft und fix Gebäude oder aber nur reduzierte Unterkünfte (Bauwagen/Zelt) genutzt werden sowie in der Frage, ob „traditionelle“ oder eher „alternative“ pädagogische Konzepte verfolgt werden. Waldkindergärten gehen in der Grundannahme konform, dass Natur eine harmonisierende, regulierende, natürlich-stimulierende und -strukturierende Wirkung und somit insgesamt gesundheitsfördernde Effekte auf die körperliche, geistige und seelische Entwicklung von Kindern hat. Im Wesentlichen findet das Waldkindergarten-Leben ganzjährig in der Natur statt, wo verschiedenartige Plätze und das Motto „der Weg ist das Ziel“ für spannende Stunden sorgen. Der Wald und die Natur bieten den Großteil an „pädagogischem- und Bewegungsmaterial“. Bei extremer Witterung ist für Unterschlupf gesorgt.


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