Der Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Eltern …

Ein Beitrag von Madgalena:

Der Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Kinder ist klar … in diesem Beitrag geht es um den Nutzen des (Klein-)KinderWaldes für die Eltern …

… fast immer zufriedene Kinder (zeitweise Unzufriedenheit – was ganz normal ist – darf sein und hat Raum)

bunte Pädagogik erleichtert die Kombination Kindergarten & Familie – schließlich hat jede Familie ihre individuellen Ansätze

… Offenheit für diese bunte Pädagogik führt zu mehr Verständnis für Kinder im Alltag und erleichtert somit den Umgang mit den Kindern

… Eltern erfahren über Entwicklungsgespräche, Elternabende und aktuelle Newsletter Wertvolles über ihre Kinder und deren Entwicklung

… Eltern erleben eine professionelle pädagogische Leitung des KinderWaldes

… das Wissen, dass den Kindern durch das Sein in der Natur eine optimale Umgebung zur Entwicklung geboten wird (siehe auch Literatur von Hüther & Renz-Polster u.a. – z.B. hier vorgestellt : https://oe1.orf.at/artikel/362994)

… im Rahmen des Bringen & Abholens tanken auch Eltern Kraft in der Natur (es lohnt sich, manchmal früher zu kommen und in die Umgebung einzutauchen :)) und erleben untereinander Austausch

… gemeinsames Feiern und Schaffen: gemeinsame besondere Feste werden gefeiert; wertvolle Freundschaften werden gebildet; Eltern gestalten in verschiedenen Arbeitsgruppen den Kinderwald mit und tragen so zur Lebendigkeit des Vereines bei

… das zeitliche Dilemma zwischen Alltagserledigungen und Naturerfahrungen („ich sollte wieder einmal in den Wald gehen…“) mit den Kindern fällt weg – die Kinder erfahren & erleben durch den KinderWald in Bezug auf Naturerlebnisse potentiell mehr als wir Eltern es ihnen bieten können

… durch den natürlichen Wechsel an Kindern und Pädagogen lernen Kinder sich auf unterschiedliche Menschen und Situationen einzustellen, eine – auch für später – wichtige Erfahrung.

 

Abschließend …

… das Bewusstsein, dass ihre Kinder wirklich Kinder sein und ihre Potentiale entfalten dürfen, ist unersetzlich

… das Erleben, dass die Begleiterinnen kind- und prozessorientiert agieren, ist unersetzlich

… das Erfahren, dass ihre Kinder durch die frische Luft und die Bewegung in der Natur nahezu maximale Gesundheit erleben dürfen, ist unersetzlich

… DANKE, dass es den (Klein-)KinderWald gibt !!!

Ein Vogel auf Weltreise

Ein Beitrag von Lena (Begleiterin im Kinderwald):

Im August macht sich Unruhe unter den Störchen breit: Die Jungstörche unternehmen immer weitere Ausflüge und sind bald ganz aus ihrem Nest verschwunden und auch der Rest der Störche bereitet sich auf eine lange Reise vor. Nach 2 bis 4 Zugmonaten haben sie ihr Ziel erreicht und verbringen dort ihren Winter.

Auch im Kinderwald können wir das Kommen und Gehen so mancher Vögel beobachten. Während der Kuckuck im April noch lauthals den Frühling verkündet ist er im Sommer kaum noch zu hören und auch das neugierige Rotkehlchen ist im Herbst nur mehr selten ein Gast bei unserem Bauwagen.

Mit dem Beobachten kommen natürlich viel Fragen auf.

Was sind Stand- und Zugvögel? Warum fliegen manche eigentlich weg? Ist ihnen etwa kalt? Was fressen die Vögel die hierbleiben, wenn überall Schnee liegt? Können die mit ihren Schnäbel Eis aufhacken?

Und was erlebt eigentlich so ein Vogel auf seiner langen Reise?

Um Antworten auf einige Fragen zu bekommen, schauen wir uns das Thema im Kinderwald genauer an. Und beobachten die Reise eines Storches namens Arthur. Arthur wurde in Deutschland mit einem Sender bestückt und somit können wir seine Reise genau nachverfolgen. Im Kinderwald berichten wir Begleiterinnen von Arthurs Reise über den Bosporus in der Türkei nach Südafrika. 

 

 Welche Strecke wählt er aus, was wird er alles sehen auf seiner Reise, wo macht er Rast?

Die Kinder im Kinderwald sind ganz aufgeregt, ob er wohl die Pyramiden von Gizeh gesehen hat, oder hat Arthur vielleicht bei seiner Rast am Nil ein Krokodil oder ein Nilpferd entdeckt? Arthur hat nun bereits sein Winterquartier den Tschad erreicht. Und während wir das Verfärben und Herabfallen der Blätter beobachten genießt Arthur die Wärme und die Fülle an Nahrung. 

Und wann kommt Arthur wieder zurück? Und fliegt er dann die gleiche Strecke?…

Das ist eine andere Geschichte, die im Kinderwald sicher wieder einige Zuhörer finden wird.

 

Rusty war da

Schon das zweite mal durfte der Therapiebegleithund Rusty die Kinder im Kinderwald besuchen, fühlte sich schon an, als würde er dazu gehören.

Wo die jüngeren Kinder noch langsam und recht strukturiert in das Regelsystem eingeführt wurden, durften die älteren Kinder schon frei und kindzentriert mit ihm arbeiten.

Von Leckerli verstecken, Kommandos üben oder einfach nur spielenspielenspielen war alles dabei – manche sind dabei auch weit über ihre Grenzen hinaus und haben ihre Ängste bewältigt!

Der Wissenstand der Kinder über das Thema Hund hat sich immens erweitert…

…denn liebe Erwachsene wisst IHR warum sich ein Hund über die Lefzen schleckt, warum Frauchen manchmal mit dem Clicker klickt oder warum es unhöflich ist, wenn man einem Hund in die Augen sieht? Seht ihr! Fragt doch die lieben Hundeprofi-Kinderlein!

Spaß beseite – das spannenste für mich war, das Wissen, dass sich Kinder das ganze Jahr über behalten haben! (Zeitspanne zwischen erstem und zweitem Besuch: Frühjahr 2017 – Frühjahr 2018) An manche Fakten haben sie sich bis ins kleinste Detail erinnert, sodass mehrfache Wiederholungen naheliegend wären. Die waren aber nicht da.

Für mich ein kleiner, feiner Beweis, wie tief sich Wissen durch tiergestützte Pädagogik hirnorganisch verankert und wie sinnvoll vermehrter Einsatz von Hunden in Kindergärten und Schulen Sinn machen würde!

In diesem Sinne – ein fröhliches Wau und liebe Grüße,

Conny (der aufrechte Part des Therapiebegleithundeteams)

Sommerfest 2018

… welch ein Geschenk! Normalerweise heißt es ja immer „wenn Englein reisen…“. In unserem Falle
war’s ein „… wenn Englein ein Sommerfest feiern…“. So viele uuurliebe KinderWald-Menschen!
Babies, junge Kinder, Eltern, Großeltern, Pädagoginnen. Alle waren sie da und voll dabei! Als wir den
KinderWald 2011 gegründet haben, hätten wir’s uns fast nicht schöner ausmalen können, als es jetzt
ist, echt! Es ist wirklich erfüllend und wie ein Geschenk, zu erleben, dass hier immer wieder neue,
lässige, weltoffene und sehr individuelle Leut’ mit ihren Kindern zusammenkommen, um miteinander
zu sein. Klar, neben Kind 1 und Baby lässt sich’s nicht sooo leicht ein Sommerfest feiern, wie damals
ohne Kinder. Aber diese Umstände berücksichtigend, haben wir wirklich entspannt und genussreich
gefeiert. Klar, dazwischen mal Kind 1 getröstet, Kind 2 vertröstet und Baby gestillt…, aber dennoch
war die Festlichkeit des Festes durchgängig spürbar. Das meine ich mit „lässige Leut“, die ganz und
respektvollst mit ihren Kindern im Leben stehen. In einem Leben, in dem Kinder wirklich wichtig sind
und in dem diese Eltern sich immens weiterentwickelt haben, um nun beides, Kinder und
Entspanntheit California region phone , Lockerheit, Weltoffenheit und individuelle Lebensqualität zu leben. Unser Sommerfest
bot uns allen wieder eine große Vielfalt an Erleb- und Genießbarem. Da wurde gesungen, gewurlitzert
(ja, die Kinder haben ausnahmsweise für die Erwachsenen auf Wunsch gesungen & gespielt),
kräutergewandert, geschmaust, gespendet und wortgespendet, sich mit den Kindern gefreut, sich
nette Erwachsenengespräche gegönnt, geslacklined und Gummistiefel-weitgeworfen, ehe am
Lagerfeuer und bei improvisiertem Lagerfeuergemusiziere Stockbrot und Wurst gegrillt und von den
Kindern physikalisch-pyromanisch experimentiert wurde. Der prognostizierte Regen deutete sich 3x
kurz an, brach dann aber erst um 01:00 Uhr morgens NACH dem gelungenen Fest über Linz herein.
Ja, eben, wenn Englein feiern… 😉

Montessori im Kinderwald: Winter und Sommer

Ein Interview mit den Begleiterinnen Doris und Gerti.

Ruth: Es gibt ja im Kinderwald in den kalten Monaten den Indoor-Montessori Raum. Warum habt ihr den initiiert?

Gerti: Maria Montessori ist eine ganz besondere Reformpädagogin. Ihre Pädagogik ist ganz nahe am Kind, sieht das Kind in seiner Ganzheitlichkeit und greift das auf, was Kindern im hier und jetzt in ihrer Entwicklungsphase wichtig ist. Zusätzlich zur vorbereiteten Umgebung des Waldes wollten wir daher auch eine vorbereitete Umgebung des Indoorbereiches schaffen.

Ruth: Was ist denn das Besondere an dem Montessori Material?

Doris: Für Maria Montessori war ein wichtiger Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“, das hat einmal ein Kind zu ihr gesagt. Was wir mit den Kindern indoor unter anderem machen, sind lebensnahe, lebenspraktische Sachen. Die Kinder lernen Alltagsdinge selbst zu machen, werden dabei unterstützt, möglichst bald selbstständig zu werden, damit sie nicht immer auf die Hilfe von einem Erwachsenen angewiesen sind. Bei Montessori-Material gibt es auch immer eine Selbstkontrolle, das heißt die Kinder brauchen hier auch keinen Erwachsenen der ihnen sagt, ob sie richtig oder falsch gearbeitet haben, sondern sie merken das selber und können sich dann selbst korrigieren.

Gerti: Montessori nimmt die Kinder in ihren sensiblen Phasen ganz stark wahr und bietet genau das Material an, das für sie passt. d.h. die Kinder holen sich genau das Material, das sie inspiriert und sie in ihrer sensiblen Phase anspricht. Z.B. Wenn gerade Zahlen ein sensibler, wichtiger Punkt sind, greifen sie zu dem Zahlenmaterial und vertiefen sich, kommen in einen Flow und nehmen gar nichts anderes wahr, und haben innerhalb kürzester Zeit diese Lernschritte gemacht, die sonst in einer mühseligen Arbeit später mal in der Schule passieren würden. Diese passieren hier in einer ganz entspannten, lustvollen Atmosphäre.

Ruth: Gibt es bei euch im Montessori-Raum so etwas wie „Lieblingsmaterialen“ der Kinder?

Gerti: Es gibt schon Lieblingsmaterialen, aber prinzipiell gibt es jeden Mittwoch, an unserem Montessori-Tag ein Material, das neu vorgestellt wird, das ist dann manchmal der Renner, aber Dauerrenner sind z.B. die römische Brücke, die die Kinder sehr herausfordert. Da wird mit Hölzern über einen vorkonstruierten Bogen ein Bogen gebaut und dann wird die Konstruktion unterhalb weggeschoben, wenn alles gebaut ist. Das ist dann ein großes Aha-Erlebnis für die Kinder, ob die Brücke steht, oder nicht. Das ist jedes Mal etwas ganz Bezauberndes, Besonderes.

Die römische Brücke.

Doris: Auch das Lesekrokodil verwenden sehr viele Kinder. Mit 4 Jahren beginnt ja in etwa die sensible Phase für Symbole, da ist oft zuerst das Schreiben und dann das Lesen lernen aktuell. Beim Lesekrokodil ziehen die Kinder einen Zettel mit Buchstaben heraus, es kommt immer ein Buchstabe dazu, und hinten ist dann die Selbstkontrolle, da steht z.B. Wiese und hinten ist dann eine Wiese aufgezeichnet. Wir verwenden hier viele „waldische“ Begriffe.

Das Lesekrokodil.

Gerti: Aber auch die einfachen Materialen wie Löffeln und Schütten von einem Gefäß in ein anderes haben immer wieder einen Reiz. Das bietet man so an, dass zuerst mit großen Schüttgegenständen wie Kastanien, bis später zu ganz feinen wie Linsen und Wasser gearbeitet wird. Das passiert immer bewusst von links nach rechts, weil das auch die Schreibrichtung in unserer Kultur ist.

Doris: Was auch spannend ist für die Kinder, ist mit der Pipette zu arbeiten. Dabei gibt es z.B. in einer Klarsichthülle Figuren, Formen, Zahlen oder Buchstaben mit Punkten und dann nimmt man die Pipette und macht genau dort einen Tropfen Wasser auf die Punkte. Am Schluss wird es dann wieder weggewischt. Das ist auch ein wichtiger Aspekt bei der Montessori Arbeit, dass die Kinder den Platz wieder so verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben, damit das nächste Kind sich wieder orientieren und starten kann.

Arbeiten mit der Pipette.

Gerti: Bei Montessori hat jedes Kind einen Arbeitsbereich, einen Teppich. Jedes Kind holt sich einen Teppich und ein Material und räumt das Material auch wieder dorthin zurück, wo es war. Es gibt aber auch Materialien bei uns im Kinderwald, an denen mehrere Kinder gleichzeitig arbeiten, z.B. das Hunderterbrett, Gummiringerlspannen oder die römische Brücke. Dort begleiten auch oft die Kinder, die es schon können, die neuen Kinder.

Ruth: Was ist eure Rolle als Begleiterinnen?

Gerti: Wir Beleiterinnen sind eher im Hintergrund. Wir bieten Material an und bereiten die Umgebung vor und geben Hilfe zur Selbsthilfe. Sonst halten wir uns so viel es geht zurück bzw. animieren auch die Kinder, dass sie sich gegenseitig unterstützen, denn das ist für beide Seiten bereichernd.

Doris: Ein Material, das gerade auch sehr spannend für die Kinder ist, ist das Prickeln. Dabei haben wir für jedes Kind einen Zettel mit dem jeweiligen Namen in Großbuchstaben vorbereitet, darauf sind Punkte wo die Kinder dann alle Löcher prickeln, und dann den Namen nachnähen.

Gerti: Das Ziel das man in diesem Fall erreicht ist die Feinmotorik, eine Schreibmotorik. Dieses ganz gezielte Arbeiten an einem Punkt erfordert höchste Konzentration, Feingefühl, Feinmotorik und Ausdauer. Die Kinder haben einen enormen Spaß und Motivation dabei, weil es einfach so lustvoll ist, das was entsteht zu sehen, spüren. Die Ziele, die wir verfolgen sind prinzipiell ganz individuell darauf abgestimmt, wo die Kinder gerade in ihrer Entwicklung sind. Eine Zeitlang gab es ein großes Interesse an Zahlen – das Zählen, und später das herausfordernde Addieren und Subtrahieren. Wir haben eine Additionsschachtel gestaltet: eine Zündholzschachtel, wo in der Mitte nicht ganz durchgehend ein Steg ist mit 5 Kugeln darin. Die Schachtel kann dann zugemacht und geschüttelt werden, und wenn man sie aufmacht sind dann z.B. 3 Kugeln auf der einen und 2 auf der anderen Seite oder andere Kombinationen. Immer wieder aber ergibt es 5. Die Kinder haben dann Addition und Subtraktion mit Kärtchen nachgelegt. Dieses Material ist dann für Kinder, die schon wissen, dass es ein „dazu“ und ein „weg“ gibt eine lustvolle Möglichkeit die Addition und Subtraktion nachzuvollziehen.

Rechnen mit der Additionsschachtel.

Ruth: Für welches Alter ist das Montessori-Material?

Gerti: Im Moment haben wir eher nur die älteren Kinder mitgenommen, aber grundsätzlich ist es für alle gedacht, nach und nach haben wir auch jüngere Kinder mitgenommen die interessiert sind. Bis Ende April waren wir an unserem Montessori-Tag indoor, ab Mai wieder outdoor. Dort werden dann auch die jüngeren Kinder von unseren Experten, den älteren Kindern, gemeinsam mit uns begleitet, um die Outdoor-Materialen, und auch die robusteren Indoor-Materialen, einzuführen.

Die Kinder arbeiten in den warmen Monaten outdoor mit Montessori Material.

Doris: Das ist auch einer der Gründe warum wir in den nasseren Monaten einen Raum gemietet haben, weil Materialen dabei sind, die draußen kaputt oder verloren gehen können.

Gerti: Abschließend kann man sagen, dass Montessori-Pädagogik eine ganz feine Ergänzung zur Natur-und Waldpädagogik ist, rundet alles ab und fokussiert nochmal in einer anderen, intensiven Form als Bereicherung.

Ruth: Vielen Dank für das Interview!

Masterarbeit: Entscheidungsräume als Entwicklungsräume

Beitrag von Petra Ackerlauer

Ich und andere reflektierte Pädagoginnen[1] gehen davon aus, dass echte Teilhabe in Alltagshandlungen, auch Partizipation genannt, eine Grundvoraussetzung für Lernen ist. Geht man einen Schritt weiter, so interessiert man sich, wie eine solche Teilhabe im Kindergarten gelingen kann. Bringen die Kinder die nötige Reife mit? Wenn Kinder mitentscheiden dürfen, ist dann noch ein geordneter Betrieb möglich? In welchen Bereichen macht es Sinn den Kindern Entscheidungen zu überlassen oder gemeinsam mit ihnen zu entscheiden?

Ich durfte im Zuge meiner Masterarbeit einige Wochen im Kinderwald mit diesen Fragestellungen im Kopf beobachten und viele Fragen stellen. Besonders sah ich mir die Bereiche Jause, kreative Tätigkeit und Aushandlungsprozesse an. Bringt die Waldumgebung Möglichkeiten mit sich, Kindern andere Entscheidungsräume zur Verfügung zu stellen als eine „herkömmliche Innenraumumgebung“?

Beobachtungen und Interviews zeigten, dass sowohl die besondere Waldumgebung, als auch die Haltung der Pädagoginnen zur Öffnung von Entscheidungsräumen – aber auch das Wissen um die Wichtigkeit ihrer Begrenzung – qualitativ hochwertige Entscheidungs- und Entwicklungsräume für Kinder schaffen. Die Waldumgebung fordert die Kinder durch die Offenheit und Unstrukturiertheit des Materials, durch das Vorhandensein unterschiedlicher Frei-„Räume“ und durch die Herausforderung und Spielaufforderung der Umgebung in den verschiedenen Jahreszeiten zu vielfältigen kreativen und kommunikativen Handlungen heraus. Die durch die Pädagoginnen gesetzten Entscheidungsräume beinhalten vor allem Entscheidungen und Verantwortung für die Dinge, die sie persönlich betreffen (Essen, Spiel, kreative Ideen). Diesbezüglich konnte ich vor allem die vorbereitete Umgebung, aber auch die gelebte soziale Praxis sowie die individuelle Begleitung als raumgebend beobachten. In der Begleitung  nehmen die Pädagoginnen solche Entscheidungen wahr, die in die Verantwortung des Erwachsenen fallen, und nehmen den Kindern solche nicht weg, die eine Lernchance darstellen, sondern „begleiten“ diese falls notwendig. Besonders bei Aushandlungsprozessen bekommen Kinder dadurch täglich die Möglichkeit selbstverantwortlich und partizipierend Lernerfahrung zu sammeln.

Die dort geschaffenen Räume werden so für Kinder als Übungsräume bereitgestellt. „Konflikte“, „Auseinandersetzungen“ und „Lösungssuche“ werden als Teil des Kindergartengeschäfts betrachtet anstatt als lästige Unterbrechung. Diese Räume stellen wertvolle Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder dar, Möglichkeiten zur Entwicklung von Aushandlungskompetenzen, Verantwortlichkeit, Integrität und Mitgefühl sich selbst gegenüber im Falle von Ablehnung. Die Untersuchung machte deutlich: Aushandlungskompetenzen können nur durch selbst gemachte Handlungen von Kindern gelernt werden. Ich sehe es daher als problematisch, elaborierte Aushandlungs- und Konfliktkompetenzen bei Kindern bei Kindergarteneintritt vorauszusetzen und bei entsprechenden Schwierigkeiten sie als „Defizite“ zu betrachten, und freue mich, an diesem Standort eine Praxis vorgefunden zu haben, die den Kindern während ihrer Kindergartenzeit die Möglichkeit einräumt, Aushandlungserfahrungen mit Gleichaltrigen zu machen.

LINK: Poster Masterarbeit Ackerlauer


[1] vgl. Colberg-Schrader, Hedi (2000): Partizipation von Kindern – auch schon im Kindergarten?

Ankommen im KinderWald

von RUTH,
Mutter eines neuen,
jungen KinderWald-Kindes.
„Eigentlich war unser erster Kontakt mit dem Kinderwald schon recht früh – als Lotta es sich noch in meinem Bauch gemütlich machte. Als frisch Zugezogene suchte ich nach reformpädagogischen Angeboten in Linz und stieß dabei auch die Homepage des Kinderwaldes (und hinterließ sogar einen Gastkommentar). Zwischen Windeln, Schlafdefizit und den vielen Freuden der ersten zwei Jahre geriet er wieder fast in Vergessenheit – und doch sind wir über (Wald-)Spielgruppen und KleinKinderWald, Gespräche und verschiedene Umstände, hier gelandet – oder vielleicht treffender formuliert: hineingewachsen.
Nach ersten Besuchen im Sommer ging es dann auch darum, dass Lotta immer mehr von uns Eltern losgelöst in den Kinderwald hineinwachsen durfte. Während ich ruhige Spätsommervormittage mit der (meist schlafenden) jüngeren Baby-Schwester auf der Wiese in Kinderwald-Reichweite verbrachte, konnte Lotta neue Bande knüpfen und sich verschiedenen Herausforderungen stellen.
Manchmal waren diese von Tränen begleitet, doch immer wurde sie liebevoll begleitet, und auch ich wusste sie gut aufgehoben.
Mittlerweile, nach einem Monat, sucht sich Lotta selbst ihren Platz im Morgenkreis, holt sich mit ihrer Jause Kraft für den Vormittag, und ich weiß dann, ich kann mich verabschieden.
Und wenn sie dann oft, mit Gatsch an jeder freien Körperstelle, und mit einem Strahlen in den Augen den Berg hinunterwandert, wissen  wir: Es passt. Für uns alle. Lotta darf ganz sie selbst sein und wir freuen uns für sie und mit ihr auf diese Zeit im Kinderwald.“
Ruth

Es lebe das freie Spiel!!! (Buchempfehlung: Zimpel)

„Freies Spiel“ ist – wie Prof. André Frank Zimpel betont, in Wirklichkeit DIE kindgemäße Form des Lernens! „Freies-Spielen macht schlau!“, betont er und erörtert im gleichnamigen Buch die Formen und Verläufe von Spielentwicklungsphasen. Er betont: Spielen ist kindliches Lernen! Das freie, kindliche Spiel ist insofern eine geniale Lernform, weil sich die Kinder darin im Rahmen ihrer selbst definierten Ansprüche (die sie oft nicht so gut verbal formulieren können, aber die recht vielfältig in ihnen da sind) und Ziele Schritt für Schritt vorwärtsbewegen. Kein Spiel ist umsonst. Genauso, wie die junge Katze beim -zigfachen Attackieren selbst angestubster Kastanien ihr Tun intuitiv für ihr erfolgreiches Erwachsen-Katzen-Leben perfektioniert, verhält es sich auch bei Kindern. Der Wille und das von innen gegebene Bedürfnis, dazuzulernen, ist in hohem Maße einfach da. Was es braucht, sind geeignete Umgebungen, wenig Ablenkung und Störfaktoren und offene, Sicherheit gebende Erwachsene, die diesen Prozess begleiten und sich Orientierung und Grenzen bietend einschalten, wenn dies angemessen erscheint. Nicht zu früh und nichts vorwegnehmend. Auch hier wieder nach dem Motto „ich helfe Dir, es selbst zu tun“. Damit bilden sie ein Fundament für ihr späteres, im abstrakter werdendes Lernen aus. Erst, was ich im wahrsten Sinne des Wortes begriffen, erlebt UND mit eigenen Augen gesehen habe, wird von meinem Gehirn „stabil und längerfristig“ gespeichert bzw. sogar integriert. Und eben diese „stabil durch konkretes Tun mit konkretem Material“ untermauerten Fundamente in den verschiedenen Lernbereichen bilden gemeinsam ein unglaublich tragfähiges Gesamtfundament im Gehirn unserer Kinder, auf dem sie ein Leben lang aufbauen können. Dieses Fundament trägt alles, was an geistigen Herausforderungen auf den jungen Menschen zu kommt. Damit gleichzeitig auch die Persönlichkeit des Kindes eine gute Verwurzelung und Fundierung erfährt, braucht es die respektvolle, wertschätzende und empathische Begleitung durch nahestehende Erwachsene. Das ist es, was wir an unserer Schule wirklich groß schreiben!!!

Damit wird deutlich und bestätigt, dass es den Kindergehirnen und dem ganzen Kind nur wenig dient, wenn „die Kindheit“ mit mehr und mehr abstrakten Lernformen befüllt wird. Und alles, was ein Kind konkret und aus eigenem Antrieb macht, hilft ihm dabei „sich selbst zu erschaffen“ (anstatt ständig von einer Führungsperson durch’s Leben geführt werden zu müssen). Es hilft dabei, unabhängig und selbstbestimmt zu werden/sein. Diese Entwicklung verläuft langsam und folgt ihrer eigenen, individuellen Ordnung. Eine Ordnung, die auch Maria Montessori studierte und respektierte. Entsprechend bieten wir unseren Kindern in Montessori-Manier Tätigkeiten an, für oder gegen die sie sich entscheiden können. Befindet sich ein Kind in einer sensiblen Phase für eine bestimmte nächsten Entwicklungsschritt, reagiert es (meist) wie ein Magnet auf diese Angebote und baut sie wiederum als „freies Spiel mit freier Entscheidung“ in die eigene Entwicklung ein.