Holunderwochen im KinderWald

Holleri-Hollero-Hollerei 😉 

Es ist schon sagenhaft und wunderbar, wie viiiiielfältig sich Holunder doch nutzen lässt!!! Wochenlang versorgt er uns mit seinen Schätzen!!! Da wären mal die Äste, die – in Perlen- oder Pfeiferllänge gesägt und von der Rinde befreit – durch ihren weichen Markkern hervorragend zum Aushöhlen geeignet sind.

Der kreativen Weiterverwendung sind da wirklich kaum Grenzen gesetzt!!!  

 

Da erfreut manch selbstgemachte Perlenkette die Mütter zum Muttertag und manch selbstgemachter Schlüsselanhänger die Väter zum Vatertag.

Und der „Überrenner“ ist der selbst im Bauwagen angesetzte und in Fläschchen abgefüllte und nach Hause gebrachte Holunderblütensirup der alle KinderWald-Kinderherzen höher schlagen ließ. 

Hier ein paar Impressionen
zu unserem Hollersaft-Großprojekt 😉

 

 

 

 

 

 

Bald kommt dann auch noch die Zeit, wo wir die zahlreichen Holler-Perlen im dunkelroten Saft der Hollerbeeren färben werden … spannend!!!

 


Zum Glück haben wir noch immer ganz viele Hollerbüsche in unserem Wäldchen.

Und zum Glück sagt unser Wald noch jedes mal „JA“, wenn wir ihn fragen, ob wir noch weitere Holunderäste absägen dürfen.

  
Wir halten Euch auf dem Laufenden, welche Ideen noch entstehen werden, gut?!!! 😉

Ostern im KinderWald

Dieser Artikel wurde verfasst von Gerti & Elli, unseren Begleiterinnen: Schon einige Zeit vor Ostern sorgten „Ostereier und -nester“  schon bei einigen Kindern für Gesprächsstoff. Wir Betreuerinnen griffen das auf und machten uns Gedanken, wie wir das Fest im Kinderwald feiern wollen.  Im Morgenkreis besprachen wir die Wünsche der Kinder und beschlossen ein gemeinsames Ostereierfärben im Bauwagen. Wir entschieden uns für eine natürliche Farbe auf Zwiebelschalenbasis

Alle waren aufgefordert, zu Hause Zwiebelschalen zu sammeln und mitzubringen. In diesem Zeitraum standen also bei einigen Familien Zwiebelrostbraten, Gulasch und sonstige zwiebellastige Köstlichkeiten am Speiseplan 😉

Der Prozess selbst startete dann sehr individuell. Einige Kinder sammelten und pressten kleine Blätter, die Muster an den Eiern hinterlassen sollten. Anderen wiederum waren die Nester wichtiger.

Sie entdeckten getrocknetes Gras am Wegesrand und sammelten es zur Weiterverarbeitung. Johanna (4,5J.) erklärt uns plötzlich recht traurig, dass sie an dem vorgeschlagenen Ostereierfärbetag nicht da sein könne und organisiert sich kurzerhand einen zweiten Ostereierfärbetermin – soviel Flexibilität muss möglich sein 😉

Es erstaunt und erfreut uns Betreuerinnen, wie sehr jedes einzelne Kind ganz eigenverantwortlich in dieses Tun gelangt und sich selbstbestimmt seinen Weg der Gestaltung von Eiern, Nestern und Verstecken sucht. Manche mit voller Begeisterung, manche mit sich langsam steigerndem Tatendrang. Und dann war es soweit: Osereierfärbetag der Erste!

Die Ostereier
Begeistert finden sich einige Kinder, um mit Elli die Zwiebelschalenfarbe zu bereiten. Zuerst wird gemeinsam der Bauwagenofen mit Holz angeheizt. Dann werden die Schalen in einem Topf mit Wasser aufgekocht. Nun steht die Entscheidung jedes Kindes an, ob das Osterei mit einem Blatt verziert werden soll oder nicht. Jedes Kind weiß recht genau, wie das Ei aussehen soll. Und so werden einige mit Blättern belegt und mit einem Strumpf fixiert. Andere Eier wiederum bleiben einfärbig. Die umwickelten Eier werden in den kochenden Sud gelegt. Wir beobachten, wie sie sich verändern. Spannend: jetzt suchen wir die Eier in dem „Zwiebelschalenversteck“und wickeln sie aus. Die schmunzelnden Gesichter und die strahlenden Augen erzählen von der Freude dieser künstlerischen Veränderung. 

 

 

 

 

Die Osternester
In der Zwischenzeit suchen andere Kinder mit Gerti nach Möglichkeiten, ein Nest herzustellen und zu gestalten. Da werden trockene Gräser gesucht und als Nest geformt; Moos und Efeu gesammelt; Rindenstücke mit Moos ausgelegt; Efeu-Nestchen gewickelt; Blumen als Verzierung gesucht, Weidenkörbchen und ein mitgebrachtes Halstuch als Nest gestaltet… Das jeweils fertig gestaltete Osternest wird bei unserer Sonnenbank ausgestellt. 

Und jetzt?: Nun werden die selbst-gefärbten Ostereier behutsam ins Osternest gelegt und bestaunt.

Wir Betreuerinnen überlegen gerade, wie wir die Nester verstecken und die Kinder im Anschluss suchen lassen könnten. Doch da haben wir die Rechnung ohne unsere KinderWald-WirtInnen, die Kinder, gemacht 😉 Die haben da nämlich eine ganz andere Idee! Also starten wir eine kurze Versammlung und wenden uns den Wünschen jedes Kindes zu. Einige wollen das Nest selber verstecken, andere hingegen nicht. Sie wollen ihr Nest wie es ist, mit nach Hause nehmen.

Und so finden sich 3 Gruppen, die einander gegenseitig die Nesterl verstecken. Und die beiden, die sich am Verstecken nicht beteiligen, sehen den anderen begeistert zu und freuen sich jedes Mal aufs Neue mit den anderen, wenn ein Nest gefunden wird. So haben alle was davon 😉 

Fast alle bringen ihren Schatz behutsam zum Parkplatz… 🙁  Dort werden wir von staunenden Eltern empfangen werden, die neugierig die Nesterl bewundern und unserer Osternesterl-Entstehungsgeschichte lauschen.

Einige Kinder sind in der Zwischenzeit schon längst damit beschäftigt Reverse Phone Lookup , lustvoll„Eier zu pecken“ und sie gleich noch beim Sammelplatz zu verspeisen.


Ostern ist zwar erst in 5 Tagen, aber was soll’s?!    Mhmm!!! 😉

Original Play

Seit unsere Begleiterin, Elli, in die Welt des „Original Play®“ von Fred Donaldson (www.originalplay.at) eingetaucht ist, ist der Alltag im KinderWald um eine wesentliche, neue Facette bereichert.
Das „ursprüngliche Spiel“ nach Fred Donaldson geht zurück auf das Spiel kleiner Kinder und wilder Tiere, wie Fred Donaldson es weltweit kulturübergreifend beobachtet hat. Das – noch nicht von Erwachsenen in Richtung Kampf und Sieg vorgeprägte – Spiel junger Kinder und Tiere kennt keine Regeln, aber erstaunlicherweise auch keinen Kampf. Kein Gewinnen, kein Verlieren, keine Konkurrenz, kein stark oder Schwach und keine Angst. Diese Fähigkeit des ursprünglichen Spiels ist ein Geschenk der Schöpfung, das uns im im gesellschaftlichen Alltag und Treiben meist verloren geht. Unser Bedürfnis nach Berührung, Verbundenheit und letztlich auch nach Liebe und Freude bleibt, während die Gelegenheiten, dies zu üben und zu erfahren, abhanden kommen. Spiel wird ersetzt durch Konkurrenz, Raufen, Kampf und Gewalt. 

Original Play® eröffnet allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wieder ein liebevolles Miteinander, das diesem ursprünglichen Spiel von Kindern und wilden Tieren folgt, und kann so unsere Haltung zum Leben, unser Verhalten und unsere Beziehungen nachhaltig transformieren.

Elli erzählt: „Für mich ist es eine sehr schöne Art mit Kindern in Beziehung zu gehen. Die Kinder können sich selbst, den eigenen Körper spüren, eigene und andere Grenzen erfahren, eigene Energien spüren und sie in Bewegungen umsetzen. Im Hier und Jetzt zu sein und den Impulsen nachzugehen, die da sind. Fast jeden Tag beginnt eines der Kinder mich zum Spielen „einzuladen“, sei es durch ein liebevolles auf den Schoß setzten, ein Streicheln im Gesicht, einen Stubs auf den Rücken, ein Schubsen meiner Beine, eine Ladung Blätter auf meinem Kopf und ein Lächeln im Gesicht…. Gerne nehme ich diese Einladungen an und versuche alles, was kommt, einfach anzunehmen! Ich bin dafür verantwortlich, dass das Spiel und die Umgebung sicher sind. Unser Spiel verläuft ohne Sprache. Wir verletzen einander nicht, wir halten einander nicht fest. Wir kitzeln einander nicht. Ich versuche  individuell auf die „Spielarten“ der Kinder einzugehen  – und gehe mit ihren Bewegungen mit. Aber nicht, wie beim Raufen, sondern eher wie beim „Tanzen“ – weil es ja um ein Miteinander geht und nicht um ein Gegeneinander. Meistens ist eine Phase voller Energie und Kraft spürbar, welche in eine ruhigere Phase übergeht. Dann löst sich diese Art des Spielens einfach auf und die Kinder widmen sich wieder ganz selbstverständlich anderen Dingen.  Ich habe das Gefühl selbst gerade in einem Prozess des ‚Spielens‘ zu stecken und ich bin jeden Tag aufs Neue gespannt, was der Tag alles bringt!“

Und: seit Elli mit den Kindern ursprüngliches Spiel betreibt,
sieht sie am Ende eines regnerischen Tages mindestens genauso gatschverschmiert (und glücklich) aus, wie unsere Kinder 😉

Danke, Elli!!! 😉 Reverse Phone Lookup

Urspiel & Bewegung im Wald

Endlich haben wir einen Begriff für die Form von Spiel gefunden, die unsere Kinder praktizieren, wenn sie selbstbestimmt in und mit Wald und Natur spielen. Der Naturpädagoge R. Hettich (http://www.gnu-ev.de) nennt das „URSPIEL“.

Er meint damit das Spielen mit unbearbeitetem Naturmaterial wie Ästen, Blättern, Früchten, Moos, Steinen Wurzeln, Wasser, Erde, Tieren, Elementen, Landschaftsstrukturen, Jahreszeiten und Rhythmen. Es ist das Spielen in und mit der Natur. Eine Form von Spiel, die in geschlossenen Räumen und mit vorgefertigten, leblosen – überspitzt gesagt – Plastikspielmaterialien nicht möglich wäre bzw. nicht entstehen würde. 

Hettich betont, es gehe beim Urspiel nicht um ein „zurück zur Natur“, um Naturpoesie und Romantik. Für Kinder sei das Urspiel der wichtigste elementare Zugang zur Natur in ihrem ganzen Leben und die Grundlage für den Aufbau eines Naturgewissens. Das Urspiel bringe Begegnung aus erster Hand, Begegnung mit dem Eigentlichen, dem Original und nicht mit dem Abbild, das nur irgendwie vermittelt wird. Bereits das selbstverständliche Erfühlen der verschiedenen Qualitäten und Informationen von Naturmaterial im Spiel und dann noch das Potenzial an Verwendungsmöglichkeiten, die diese „Naturdinge/-plätze…“  im erfüllenden Spiel in sich tragen, spricht für sich…

In dieser Form von Spiel ist so Vieles der Gestaltungsfreiheit der Kinder überlassen. Es gibt keine Vorgaben von Erwachsenen oder von SpielzeugherstellerInnen. Somit gibt es per se auch keinen Wettbewerb – denn Wettbewerb ist eine Dimension des Spiels Erwachsener, aber an sich nicht des Spiels von Kindern. Es gibt keinen Rucksack an erwarteten Ergebnissen, keine Bewertung durch Erwachsene und somit auch keine SiegerInnen und VerliererInnen, wie das ansonsten bei vielen Spielen der Fall ist. Jede Spielsituation kann durch jedes Kind in Bezug auf die Handlung und sozialen Zusammenhänge jederzeit weitergestaltet werden. Wer in eine unangenehme „Randposition“ kommt, kann anhand der eigenen Phantasie der Spielsituation neue Impulse geben und das gesamte Spiel verändern.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Burnout-Themen Erwachsener erhält diese Form von Spiel eine immense gesundheitsfördernde Bedeutung (im Sinne der Salutogenese): Kinder erleben im phantasiedominierten Naturspiel, dass sie stets unzählige Möglichkeiten selbst in der Hand haben, die Spielsituation weiterzugestalten und zu verändern. Weil nichts wirklich fix so ist und bleiben muss, wie es scheint. Kein Stock muss ein „Besen“ bleiben, sondern kann einfach zum Zauberstab, Sonnenstrahl… umdefiniert werden. Aus dem bodenkehrenden Vater wird eine zaubernde Mutter oder ein alle wärmender Sonnenstrahl … … Das Kind erlebt: „Ich habe es selbst in der Hand!!! Ich bin flexibel. Ich bin nicht festgelegt auf die Verwendung eines Spielmaterials laut Spielanleitung. Ich kann mir Naturgegenstände suchen, die mir wahre Schätze sind, die mich inspirieren und mich stärken.“

Wer drüber nachdenkt, bemerkt, dass in dieser Form von Spiel viele Analogien zu Therapie- und Coachingsituationen stecken. Bloß, dass die Kinder sie nicht erst mithilfe von TherapeutInnen entdecken müssen, weil sie sie im KinderWald in unserer wertschätzenden, non-direktiven Pädagogik tagein- tagaus einfach leben. Unbewusst, das stimmt. Aber prägt nicht unser Unbewusstes einen großen Teil unseres Fühlens, Denkens und Handelns?

Und mehr noch: Hettich betont, die BEWEGUNG des Kindes in der Natur „fördert die Entwicklung und Reifung seines Gehirns mit all seinen Aufgaben. Die Bewegung in der Natur löst innere und äußere Verkrampfungen und Spannungen, öffnet und bereichert das Innenleben des Kindes, seine Gefühle, Stimmungen und Sprache und zeigt den Kindern körperliche und seelische Grenzen auf. Bewegung in der Natur ERDET die Kinder und ist für eine gesunde psychische und physische Entwicklung lebensnotwendig.“ 

Da schließen wir uns vom KinderWald vollinhaltlich an 🙂 und empfehlen: R. Hettich, Umweltpädagoge, NaturSpielRaumPlaner, Spieltherapeut, in: Spielplätze für Kinderseelen. Die Bedeutung des Urspiels für die Entwicklung des Kindes, 2011, Verlag Rudolf Rettich

Buchstaben im KinderWald

An immer mehr Vormittagen im Kinderwald wurde für uns Betreuerinnen immer spürbarer, dass sich die meisten unserer Waldkinder in der sensiblen Phase für Buchstaben befinden.         Gustavo (5 Jahre) sah in allem was die Natur uns gibt ein „A“ ein „O“. Manchmal bemerkte er an einem Ast ein „V“, doch nur ganz selten zeigte sich ein Regenwurm der grad zufällig seinen Körper wie ein „S“ schlängelte… Anfangs malten die Kinder mit Stöckchen ihre Buchstaben in die Luft, in die Erde und mit in Wasser oder Schlamm getränkte Pinseln  wurde schließlich die schwarze Tafel als Schreibtafel benutzt. Aufgrund dieser sichtbaren Zeichen der Kinder drängte sich in uns der  „Montessori-Gedanke“ immer stärker in den Vordergrund.  Es war klar: Buchstaben zum Be-greifen sollten bald unserem Material im Bauwagen angehören, welches den Kindern beim Bedürfnis danach zur Verfügung stünde.

Herbert Opa und ich verbrachten einen sonnigen Sonntag in seiner Werkstatt mit Zuschneiden, Abschleifen und Ausfräsen. Aus den Rohhölzern entstanden an sich schon wunderschöne und angenehm in der Hand liegende „Bausteine“ die zum Bauen und Konstruieren aufforderten. So wertvoll und natürlich kann nur unbehandeltes Holz sein.  Einmal mussten die insgesamt 73 Holzblöcke noch durch unsere Hände wandern. Vater fräste mit geübter Hand einen Buchstaben nach dem anderen aus, reichte ihn mir um die noch vereinzelt sperrigen Holzspänen händisch mit Schleifpapier zu entfernen. Unter die Haut gehende Sinneserfahrung ist unser Ziel, aber nicht, dass die Kinder sich Splitter einziehen. 😉

 Es war ein Abenteuer und ein Eintauchen in die eigene Kinderzeit als ich mit meinem Vater in der Werkstatt arbeitete. Diesmal durfte auch ich schon mit den elektrischen Geräten werkeln 😉

 An dieser Stelle möchte ich mich herzlich im Namen vom gesamten KinderWald Team und dem Verein Elementa für die große Hilfe bei „Herbert Opa“ bedanken. Und auch bei den anderen Menschen die unser Projekt mit großem Engagement begleiten und  unterstützen.

Ich war an dem Tag, als ich das Material in den Wald mitnahm, schon sehr neugierig auf die Reaktionen der Kinder.  Als ich in einem ruhigen Moment begann, die Buchstaben auf einem großen, schwarzen Brett von meiner Transportkartonage in eine Holzkiste umzusortieren, waren binnen weniger Minuten vier Kinder in meinem Aktionsradius. Ein Mädchen (4 Jahre) ging vorbei, verweilte kurz im Moment des Buchstaben-pot pourris, um nach einem smarten: „Ah, das dort ist ein „M“ – Mit diesem Buchstaben beginnt der Name meiner Mama…“ wieder weiter ihre Wege zu gehen. Ich hörte, staunte wie sehr Kinder etwas wahrnehmen und es für „wahr – nehmen“ und lächelte zufrieden.

...beim Einräumen die Dritte Dimension erspüren, schön... :Ein weiteres vier jähriges Mädchen erkannte ihr „J“ und ihr „O“ „…. dann brauch ich noch zweimal das „N“…, und ein „A“ ist auch noch wo? … und dann noch das da, gibst du es mir bitte mal? Das mit dem Stricherl in der Mitte, genau, das „H“ brauch ich auch noch.“

Die ebenfalls vierjährige Helena Luisa, bat mich ihr alle Buchstaben ihres Namens herzulegen. „Hey, sieh mal! Mein Name ist gleich lang wie der von Flora-Marie!“ Anfangs war es meine Aufgabe die Buchstaben rauszusuchen, die für den eigenen Namen benötigt wurden. Alles andere was ich an theoretischem Wissen in meinem Kopf hatte, blieb auch dort, denn:  Flora-Marie fing ohne ein Wort zu sagen an, die ausgefrästen Linien mit ihrem Zeigefinger nachzufahren und zu befühlen, was blitzartig auch Helena Lusia ausprobieren musste.  Es entstand aus ihrem inneren Bedürfnis diese spannende Aktion auszuprobieren J Es ist so wunderschön zu beobachten wie Kinder auch voneinander lernen. „FFFF, LLLLL, OOOO, RRRR, AAAA…… ich denke das Bild ersetzt viele Worte.

Vielleicht werden mal Stöckchen verwendet, um den Buchstaben nachzuschreiben, vielleicht werden sie im Frühling mit Grashalmen ausgelegt, vielleicht im Herbst mit Blättermehl. Vielleicht sogar wird es bald größere Buchstaben geben, die dann mit Schnee, Gatsch und Erde befüllt und wieder ausgekratzt werden können … Das wäre dann ein weiteres Projekt für   „Herbert Opa“ 😉

Die Eigenschaften des Montessori Materials sollen dafür sorgen, dass sie das Interesse der Kinder auf sich ziehen und somit beim zwanglosen Lernen helfen. Zahlreiche Hirnforscher wie auch Gerald Hüther belegen wissenschaftlich die Wichtigkeit des lustvollen und zwanglosen Lernens. Die Grunderkenntnis der modernen Neurobiologie heißt: Kinder, und zwar alle Kinder, kommen mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist ein Mensch so neugierig und so entdeckerfreudig und so begeistert darauf, das Leben kennen zu lernen, wie am Anfang seines Lebens. Wir hoffen mit den Buchstaben aus Holz einen kleinen Grundstein der Begeisterung für das Erlernen der Kulturtechniken  Lesen und Schreiben gelegt zu haben.

 

 

Birgit Laister
(Mutter, Co-Betreuerin und Mitgründerin)

Vielen DANK an die helfenden Hände!!!

Danke! Danke für die vielen helfenden und wohlwollenden Hände, die uns stets mehr ermöglichen, als uns ohne sie möglich wäre. Ja, bei uns gibt’s die Vereinbarung, dass sich die Eltern mit „Elterndiensten“ einbringen. Aber die meisten Eltern bringen sich mit den Dingen ein, die sie gerne tun und gut können. Mit Dingen, die ihnen ein Herzensanliegen sind und für die sie dann auch noch andere Eltern zur Mitarbeit gewinnen können.

So kam es in den letzten Monaten immer wieder vor, dass mit viel Euphorie und Engagement die Initialzündung und Umsetzungsaktivitäten von Müttern und Vätern unserer KinderWald-Kinder eingebracht wurden. Dabei entstand viel Tolles!!!

So gelang es, dass Herbert und die (starken?) Männer an der Bauwagenrückseite Schiebetüren anbrachten und Herbert mit Opa eine neue Outdoor-Jausentisch-Garnitur tischlerte.

Weiters gelang es, dass nach 2 intensiven und langen Arbeitsnachmittagen mit viel Räumerei, Putzmittel, Tapetenkleister und Stanleymesser unser Bauwagen nun eine makellose, freundlich hellgrün tapezierte Decke vorzuweisen hat. Das macht die Aufenthalte im Bauwagen irgendwie netter. Danke an Mariana, Anina&Daniel, Ani, Theresa und wen ich vielleicht sonst noch vergessen habe.

Auch kam es auf dieselbe Weise zu einem wirklich schönen, elternorganisierten Spontan-Lichterumzug am Sonntag Abend. Stimmungsvoll war’s – und ohne die Laternenlichterlein auch ganz unglaublich finster – fast schon „enterisch“. Für die Kinder war’s abenteuerlich, „Ihren Wald und Ihre Plätze“ in stockdunkler Nacht zu erleben. Gemeinsam zogen wir eine Laternenrunde am Waldrand entlang. Stimmungsvoll begleitet von Akkordeon, Gitarre und Gesang durch Birgit&Günter. Dann gab’s leckere Kipferl, Muffins und Tee von Anina&Daniel&Birgit. Und dann spazierten wir mit einer meditativen „ich gehe mit meiner Laterne“-Endlosschleife den Bachlberg hinunter, wo uns die tausenden Lichter aus Linz unschuldig anfunkelten.

Und DANKE an dieser Stelle auch noch an Herrn Labacher und Herrn Mittmannsgruber von der Caritas, die uns immer wieder mit hilfreichen Entscheidungen und Gesten zur Seite stehen und das KinderWald-Leben bereichern!!! Merci vielmals! Mehr in Bälde… 😉

Eines steht fest: Ein Projekt dieser Art und Größenordnung könnte sich nicht in dieser Art entfalten und entwickeln, wären da nicht die vielen helfenden Hände und hilfreichen Freunde und Freundinnen des KinderWaldes!!!

Ein Vormittag bei uns: Waldfest, Restaurantgründung und Räuberei…

Unsere Begleiterin Elli erzählt: Vom Mühlviertel nach Linz Urfahr fahre ich durch eine dicke Nebelschicht. Ich überlege noch einmal, ob ich auch ausreichend warme Kleidung im Kofferraum habe, denn wenn der Nebel den Wald wie eine beschlagene Scheibe aussehen lässt, kann es kalt werden!

Der Nebel lichtet sich und beim KinderWald-Parkplatz begrüßen mich wärmende Sonnenstrahlen.

Als alle Kinder da sind, spazieren wir los. Bei unserem „Baum mit Schild“ angekommen, überlegen wir gemeinsam, welchen Weg wir heute gehen wollen. „Zum Wurzelbaum!“ meinen die einen. “ Nein zum Bauwagen!“ meinen die anderen. „Ja, nein, doch, nein, ja, nein, doch….!“ Alle Interessen berücksichtigend, entscheiden wir uns schließlich dazu, zuerst zum Wurzelbaum und dann weiter zum Bauwagen zu gehen.

Beim Wurzelbaum – einem Wurzelgeflecht von ca. 2 Quadratmetern in Hanglage macht sich eines der Mädchen sogleich an die Arbeit, die „Wohnung mit Balkon“ zu versorgen. Ihre Freundin sammelt die verschiedensten Blätter, um den Boden damit zu belegen. Nach einer Weile beobachte ich beide, wie sie mit Stecken die trockene, sandige Erde rund um die Wurzeln bearbeiten. „Weisst du, wir machen den Wurzelbaum neu, wir verändern ihn!“ sagen sie. Kurz darauf steht fest, heute soll es ein Fest geben, ein grosses Fest, zu dem alle eingeladen sind! „Da dürfen die Kinder ganz lange aufbleiben, und es gibt sogar Gummibären und Eis!“, posaunen die Gastgeberinnen stolz heraus. Zwei Mädels eröffnen in der Zwischenzeit ein Restaurant gleich um die Ecke. Im Restaurant fungiert ein Stock als Eingangstür und es gibt auch einen Baum zum Malen! „In zehn Minuten sperrt das Restaurant zu! In zehn Minuten sperrt das Restaurant zu!“ rufen die Mädchen aus dem Haus. Nun gesellt sich ein weiteres Mädchen dazu und übernimmt die Rolle des Hundes. Prompt erhält die Hündin ihren eigenen Hundebaum…

An einem Parallelschauplatz haben zwei ältere Kinder einen wirklich grossen Ast auf den Weg geschleppt und ein alter Wurzelstock wurde ganz in der Nähe aufgestellt. Heute wird er multifunktional verwendet. Als Kutsche mit Lenkrad und Pferd. Räuberskutsche allerdings. Und wie das Leben so spielt kommt es, dass ein Räuber die Schwelle zum Restaurant übertritt, alle herumliegenden Rucksäcke einsammelt und ganz gemein auf den Weg stellt. Eines der Mädchen, welches gerade unbedarft dazustößt, ist darüber gar nicht glücklich. „Ich will nicht, dass er unsere Rucksäcke rausgibt!“ Jetzt wird’s ernster als zuvor. Wir treffen uns am Weg, um über das Vorgefallene zu sprechen. Das Mädchen will verzweifelt das Unrecht stoppen, als der Räuber von sich aus vorschlägt „Dann müsst ihr eben ein Netz bauen, damit wir Räuber nicht mehr reinkommen!“ Doch das war keine Lösung, die für alle passte. -Stille- „Gut“, meint der Räuber nun räudig „wir können eh verhandeln. Wir machen das nicht mehr, nie wieder!“ Ohne daß es einer weiteren Ergänzung bedurft hätte, löste sich die „Besprechung“ wieder auf und alle widmen sich wieder ihrem Spiel. Auch der Hunger wird langsam spürbar. Nach und nach versammeln sich alle Kinder am Fuße des Wurzelbaumes und jausnen.

Das Spiel der Kinder ist lebendig, wandlungsfähig und spontan. Gleich nach der Jause geht es weiter. Ein Mädchen verweilt längere Zeit am Boden, kehrt die Blätter behutsam mit der Hand weg und beginnt mit einem Stock Spuren zu ziehen… Buchstaben, Zeichen…? Dabei entdeckt sie einen winzig kleinen Wurm. Ein Junge, der heuer neu in die Gruppe kam, kann sich kaum halten und ruft voller Begeisterung: „Schaut, alle herkommen, alle Kinderwaldkinder herkommen, so etwas habt ihr noch NIE gesehen!“, bis sich alle Kinder rund um den kleinen Wurm versammeln. Stille. Nun löst sich die Gruppe wieder auf. Nun entdeckt der Junge ein grünes Blatt – es ist ihm ein Fisch – „er schaut kurz bei mir vorbei und schwimmt dann nach Afrika.“ Nach seiner weiten Reise bekommt er ein Schlafzimmer aus Laub mit einem Bett und einer Decke aus zwei gelben Ahornblättern. Nebenan laufen die Festvorbereitungen auf ihren Höhepunkt zu. Die Kinder beschließen, es soll sogar eine Aufführung geben. Dafür schlüpfen sie in fiktive Prinzessinnen- und Bärenkostüme und schminken einander hingebungsvoll mit rotbrauner Walderde. Ein kleiner Stock dient ihnen als Pinsel.
Während ich so dasitze und die Kinder beim Spiel beobachte, halte ich ein Ahornblatt in der Hand, welches ich, ganz nebenbei zu einer Tüte drehe und neben mich stelle. Eines der Mädchen nimmt das wahr und holt sich die Tüte… eine Eistüte, na klar! Und schon werden verschiedene Tüten gedreht und mit den leckersten Eissorten gefüllt! Im Wald gibt’s nämlich alles – sogar leckeres Eis 😉

„Nur im Spiel ist der Mensch ganz frei“ (nach F. v. Schiller)
Elli Braunschmid,
Begleiterin im KinderWald.

Herzlich willkommen im neuen KinderWald-Jahr!!!

Herzlich Willkommen!

 

Seit 3. 09. 2012 können wir stolz und voll Freude in unserem Kalender eintragen

Beginn des zweiten KinderWald-Jahres“!

Wir starteten mit sonnigem Herbstwetter in unser neues Jahr. Vieles blieb beim Alten – Einiges ist neu.

Bei den Betreuerinnen: Gerti und Elli bilden unser neues Team, das gleichzeitig die werdende Mama und „Ursprungsbetreuerin“Lisa vertritt!

Gerti und Elli

Bei den Kindern: Last –  but surely!  not  least starten vier! neue, die Gruppe bereichernde Kinder  in die zweite Runde. Wir freuen uns auf eine schöne gemeinsame Zeit mit Gustavo, Mia, Jonas, Helena und ihren Familien 🙂

 

Im Rahmen unseres kleinen familiären Willkommensfestes begrüßen wir noch einmal recht herzlich unsere neuen Kinder. Das Fest wurde bewusst im kleinen Rahmen gehalten, da wir die Zeit und den Raum für gegenseitigen Austausch nutzen wollten. Bei kulinarischen Köstlichkeiten des Buffets – koordiniert und vorbereitet von unseren „Ursprungsfamilien“, war neben Geschichten, Tanzen und freiem Spiel ein gemütlicher Rahmen geschaffen, mit allen anwesenden Personen  ins Plaudern zu kommen.

Magdalenas fünfter Apfel 😉

Den Eltern wurde die Zeit gegeben, mit ihren Kindern im Wald zu erspüren, welche guten Wünsche sie ihrem wertvollsten Schatz  für die Zeit im Wald mitgeben möchten. Die guten Wünsche wurden auf einem temporären „Wünschebaum“ angebracht, der auch die Mitte für unseren beliebten aus dem Mittelalter stammenden Kreistanz darstellte.

Wunschbaum

Wunschbaum

Die persönlichen Wünsche werden auf bunte Stofffähnchen geschrieben, die unsere „Gute-Wünsche-Wimpelkette“ im Bauwagen verlängern. Dieses vielleicht unscheinbar wirkende Stück Stoff gibt  vielleicht gerade zu Beginn den Kindern ein Stück „von Mama und Papa“ mit in den Wald. Diese wird immer länger und lässt erspüren, wie groß die Gemeinschaft KinderWald bereits ist. Schön, dass das so ist. 🙂

 

Nachdem die Sonne sich hinter den Bäumen versteckte, wurde es etwas kühl. Doch das hielt die wetter- und witterungsbeständigen Kinder nicht davon ab, in der Natur herum zu tollen. Sie liefen die Wiese  rauf und runter, spielten mit unserem Jüngsten in der Mitte das Willkommensritual mit Durchzug durch den Sonnenblumentorbogen nach und sangen improvisierte Willkommenslieder. Unbeschwert, glücklich und frei.

Immer wenn ein weiterer Moment durch die Linse der Kamera festgehalten wurde, dachte ich: „wie kann ich diesen Moment in Worte fassen,  sodass der/die  LeserIn die Stimmung nachempfinden kann…?“ … die Situationen einzufangen und in Bildern darzustellen gelingt zwar, doch die Gefühle die dabei entstehen, können „nur“ gespürt werden. Ich entschloss mich dazu,  den Text kurz zu halten und die Bilder sprechen zu lassen.

Viel Freude im neuen Jahr wünschen die BetreuerInnen und

GründerInnen des KinderWaldes !

 

Sonnentorbogen

 

 

 

 

 

Unser Tanz

 

Magdalenas vierter Apfel und nochmal tanzen 🙂

 

 

 

 

So schön war der Tanz

 

Abendstimmung

 

 

...aber jetzt geh´n wir heim, einverstanden ?

Birgit Laister (Mutter, Mitgründerin und Betreuerin)
im Namen von ELEMENTA – Verein für selbstbestimmte Persönlichkeitsentwicklung

Apfelsaftpressen bei unserem lieben Nachbarn, dem Bauern!!!

Der Herbst zieht ins Land, das wird von Tag zu Tag spürbarer. Bunte Blätter schmücken unseren Platz vor dem Bauwagen, der Geruch der reifen Quitten ist herrlich süß, die reifen roten, gelben und teilweise noch grünen Äpfel schmecken lecker, wir haben Freude daran Kastanien, Nüsse und Eicheln zu sammeln um damit zu spielen. Als wir heute Morgen beim Parkplatz warteten, konnten wir die Nachbarsfamilie beim Äpfel und Birnen sammeln beobachten. Nach einem kurzem Gespräch mit dem Bauern, stellte sich heraus, dass er am Vormittag Most pressen wird und wir gerne vorbei kommen können! Dieses Angebot wollten wir uns keinesfalls entgehen lassen und es wurde für uns alle ein sehr spontanes und besonderes Erlebnis. „Da machen wir heute ja einen Ausflug!“ sagte Flora, mit einem Lächeln im Gesicht.

Wir sammelten eine Tasche voll Äpfel. … „Schau wie klein der ist, ein Babyapfel!“…“ Der hat ja eine lustige Falte. Das sieht ja aus wie ein Popo!“ …“ Was ist denn da los, da liegt ein brauner Gatsch in der Wiese.“…“ Da wohnt glaube ich jemand, in diesem Apfel.“…“ Schau wie groß der ist!“…“ Ich mag den schweren Sack auch einmal heben!“

Mit einem Sack voller Äpfel, Erfahrungen und Erlebnisse machten wir uns auf den Weg zum Bauern. Am Weg hörten wir schon das Brummen einer Maschine und als wir ankamen, war Herr Hemmelmayr Willi tatsächlich schon bei der Arbeit.

Zuerst wurden die Äpfel und Birnen in einer Wanne gewaschen, dass das Wasser nur so spritze! Auch wir gaben unsere Äpfel in die Wanne zum Waschen.

Ganz automatisch wurden die Äpfel dann in einen Korb geschöpft und in die Häckselmaschine geschüttet. Das Zerkleinern der Äpfel war ziemlich laut! 

Herr Hemmelmayr schöpfte diesen Äpfelbrei dann kübelweise in die Mostpresse. Ein schwerer Stein hängt an der Maschine, damit der Apfelsaft herausgepresst werden kann. 

Der Saft duftete herrlich süß. Beim Schlecken aus der Rinne wurden die Finger der Kinder ganz klebrig. Dann durften wir den Lagerkeller für den Most sehen. Dort standen große Behälter und es roch sehr „komisch“! Wir durften den Süßmost auch kosten… mhm, lecker! Am Ende holte Willi die gepressten Äpfel wieder aus der Presse. Platt wie eine Scheibe und fast nicht zum Wiedererkennen waren die Äpfel nun!  Für Herrn Hemmelmayr war es nun Zeit für eine Jause und auch wir machten uns dankbar auf den Weg zum Bauwagen, um uns beim neuen Jausenplatz zu stärken.

Elli Braunschmid (Begleiterin)

 

Wenn Tränen fließen… von der Bedeutsamkeit des Weinens

Für viele stellt sich die Frage: Ist das Weinen meines Kindes ein „Kommunikationsmittel“, ein von der Natur clever eingerichteter „Spannungslöser“ oder gar ein Druckmittel? Oder könnte es mal das mal das sein und wie gehe ich damit um? Landläufig üblich ist es, Weinen nach Möglichkeit zu unterbinden oder so kurz wie nur möglich zu halten. Welche Chancen aber birgt es, sich näher mit der Sinnhaftigkeit des Weinens auseinanderzusetzen? Zu dieser Frage möchte ich im Folgenden die Position von Rebeca Wild beisteuern:

Hilfreiche Gedanken zum Thema „WEINEN“ von Rebeca Wild:
(1993, „Sein zum Erziehen. Mit Kindern leben lernen.“ S. 63ff., Arbor-Verlag)

„Herzhaftes Lachen und herzerweichendes Weinen sind die natürlichsten Ausscheidungsmechanismen des Menschen. Beide sind Kindern leicht zugänglich. Wenn die Tränen strömen, befreit sich der Körper von Schlacken und Giftstoffen, die sich (…) angesammelt haben. Tränen bedeuten für die emotionale Gesundheit dasselbe wie Urin für den physischen Körper. Wenn ein Mensch weinen kann und die Tränen reichlich fließen, werden Spannungen und Blockierungen gelöst, und der Organismus kann sich der Welt wieder auf gelöste Weise öffnen.

Bei uns Erwachsenen braucht es viel, bis wir das natürliche Mittel benützen. Unser Verstand lässt es für gewöhnlich zu solcher Entladung nicht (BB: mehr) kommen. Bei Kindern ist dieses Verteidigungssystem noch nicht voll ausgebildet. Sie können ohne Schwierigkeit lachen und weinen, wenn wir sie lassen.“ Eltern haben – so Rebeca Wild – manchmal „Schwierigkeiten, das Weinen des Säuglings zu schätzen. Sie sind sich unsicher, ob das Baby gerade wegen Hunger, Kälte oder Hitze, Nässe oder Bauchweh weint, ob es erschreckt oder einsam ist.“ Es steht die Frage im Raum, ob wir von Anfang an dazu tendieren, das Weinen einseitig als Kommunikationsmittel zu interpretieren, anstatt es auch bzw. vielleicht sogar vorwiegend als natürlichen „Spannungslöser“ zum Abbau innerer Spannungen und Blockaden ‚gelten zu lassen‘. Erlebt das Baby bzw. Kleinkind nur allzuoft, dass seine eigentlichen Bedürfnisse, die Auslöser für ihr Weinen sind, fehlinterpretiert werden, die Eltern aber viel daran setzen, ihm alles zu geben, damit es nur bald wieder zu Weinen aufhört, beginnen Kinder stringenterweise daraus zu lernen (wie sie es ja immer tun). Sie erkennen, dass Weinen als Mittel zum Zweck (zwar zu einem anderem als dem ihm natürlich zukommenden)  bzw. als Druckmittel auch gut einsetzbar ist. Und warum auch nicht – wenn’s funktioniert 😉

Das Kind gewöhnt sich – so Wild – zunehmend daran, „mit Weinen Dinge von uns zu erreichen, da wir nicht sensibel genug sind, seine (BB: eigentlichen) Bedürfnisse im rechten Moment zu spüren (BB: bzw. anzuerkennen und zuzulassen). Wir sind oft so konfus, dass wir nicht zwischen seinen wirklichen und Ersatzbedürfnissen unterscheiden. (…) Das Erkennen des echten Weinens und das Verständnis seiner Bedeutung gehören zur ‚Grundausbildung‘ für Eltern. Gleichzeitig gehört in unser Erziehungsprogramm, aufmerksam genug zu werden, sodass wir die authentischen Bedürfnisse des Kindes so früh wahrnehmen, dass es sich gar nict erst aufs Weinen verlegen muss. Ist das Übel schon eingerissen, kann es auch mal nötig sein, fest zu bleiben, wenn das Kind mit weinen einfach alles erreichen will. Rennt es nun mit aller Kraft gegen unsere ‚Härte‘ (Anm. BB: gemeint ist eine von uns gesetzte Grenze) an, kann es zu einer echten Entladung kommen. Zuerst ist es ein Wutgeschrei – nach und nach verwandelt es sich dann in ein ‚echtes‘ Weinen, das eine Menge neuen und alten Schmerzes hinauswäscht.

Es ist wichtig zu verstehen, dass WIRKLICHES WEINEN, das zur Reinigung alten Schmerzes dient, nur zustande kommt, wenn das Kind sich sicher und in diesem Zustand AKZEPTIERT fühlt. Unser schlimmster Fehler wäre, ein Kind, das sich durch Weinen entlädt, alleine zu lassen oder es gar fortzuschicken. Wann immer das Kind es zulässt, sollten wir es beim Weinen auf dem Schoß und in den Armen halten. Manche Kinder sind noch so voller Abwehr, dass sie auch die Mutter fortstoßen, wenn sie weinen. Es hat keinen Sinn, darüber böse zu werden und verletzt das Feld zu räumen, denn der Schmerz stammt eben aus früheren Situationen, in denen die Mutter das Rechte nicht traf. Will die Mutter jetzt eine bessere Beziehung ermöglichen, sollte sie so nah beim Kind bleiben, wie dieses es erlaubt und aus respektvollem Abstand ihr Verständnis kundtun. Wenn der Konflikt (Anm. BB. bzw. die Entladung) vorüber ist, sollte sie liebevollen Körperkontakt ermöglichen, bis das Kind sich mit ihr sicherer fühlt und auch wieder bei ihr weint.“